Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2014; 49(2): 100-103
DOI: 10.1055/s-0034-1368674
Fachwissen
Notfallmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Kasuistik – Die intraossäre Infusion als Alternative in der Sepsistherapie beim Erwachsenen

Case report – Intraosseous infusion as an alternative solution in the therapy of septicaemia in an adult
Manuel Lingner
,
Oliver Niederer
,
Jürgen Majolk
,
Karsten Krombholz
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
23. Februar 2014 (online)

Zusammenfassung

Der intraossäre Zugang erhält zunehmend Einzug in die Leitlinien der Fachgesellschaften als Zugangsweg, wenn ein periphervenöser Zugang nicht möglich ist. Hauptsächlich gilt dies beim erwachsenen Patienten in der Notfallmedizin im Rahmen der kardiopulmonalen Reanimation oder des Polytraumas. In der Kinder- und Jugendmedizin sowie der Neonatologie ist der intraossäre Zugang ein bewährtes Verfahren beim septischen Schock. Im vorliegenden Fall stellt sich ein 36-jähriger Patient mit Endokarditis und einhergehender Trikuspidalinsuffizienz III° bei bekanntem intravenösen Drogenabusus im septischen Schock vor. Primär ist es nicht möglich, einen geeigneten peripher- oder zentralvenösen Zugang zu schaffen. Aus diesem Grund wird zur überbrückenden Therapie ein intraossärer Zugang am Humeruskopf etabliert. Der Patient kann nach Stabilisierung der Kreislauffunktion und des Volumenstatus im Verlauf problemlos mit einem zentralvenösen Zugang versorgt und erfolgreich operativ saniert werden. Als verwendetes System dient das EZ-IO( (Fa.Vidacare Corporation, San Antonio/USA). Entsprechende Systeme sollten auch innerklinisch flächendeckend zur Verfügung stehen.

Abstract

The intraosseous access can be more often found in the guidelines and recommendations of the medical societies when an peripheral or central venous catheter cannot be established. For the adult this can mostly be found for the cardiopulmonary resuscitation or the patient with major trauma. In pediatrics and neonatology it is a reliable solution for the child in septic shock. In our case a 36 year old presented with an endocarditis and tricuspid valve insufficiency III° by known intravenous drug-abuse and septic shock. It was initially impossible to establish an adequate peripheral or central venous catheter. For this reason a humeral intraosseous access was established. After stabilizing circulatory function and volume replacement a central-venous catheter could be placed and the patient was successfully surgicallysanified. We used the EZ-IO( (Vidacare Corporation, San Antonio/USA). Appropriate systems should extensively be available in the clinical setting.

Kernaussagen

  • Der intraossäre (i. o.) Zugang ist eine mittlerweile etablierte Methode, die Einzug in die Leitlinien und Empfehlungen der Fachgesellschaften gefunden hat.

  • Die „early goal directed therapy“ im Rahmen der Sepsis zielt auf eine hämodynamische Stabilisierung des Patienten ab, wofür ein geeigneter Gefäßzugang nötig ist.

  • Die i. o. Infusion sollte bei primär nicht zu punktierenden venösen und zentralvenösen Gefäßen erwogen werden und ist eine sichere und schnelle Alternative.

  • Als geeignetes und vielfach validiertes System steht u. a. das EZ-IO® zur Verfügung.

  • Der i. o. Zugang ist lediglich eine überbrückende Maßnahme.

  • Kontraindikationen sind Frakturen und Infektionen im Punktionsbereich, ebenso bereits stattgehabte Punktionen an derselben Lokalisation innerhalb 48 h sowie die Osteogenesis imperfecta.

  • Komplikationen sind Paravasate mit Nekrosen, Kompartmentsyndrom, Frakturen sowie Osteomyelitis und Embolien, die v. a. von der Verweildauer abhängig sind, ferner Wachstumsstörungen bei akzidentieller Punktion der Epiphysenfuge bei Kindern.

  • Eine probate Alternative zum (zentral-)venösen Zugang sollte auch im klinischen Umfeld zur Verfügung stehen.

Ergänzendes Material