Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2014; 49(2): 84-90
DOI: 10.1055/s-0034-1368673
Fachwissen
Anästhesiologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Neuromonitoring bei Kindern – Wie tief schläft mein Patient?

Neuromonitoring in children – How deep does my patient sleep?
Barbara Schultz
,
Arthur Schultz
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Publication Date:
23 February 2014 (online)

Zusammenfassung

Das Elektroenzephalogramm (EEG) im Wachzustand, im Schlaf und in der Narkose verändert sich im Laufe der Kindheit. Besonders deutliche Veränderungen finden im ersten Lebensjahr statt. In der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahrs sind bei der Mehrzahl der Kinder visuell und automatisch Narkose-EEG-Stadien klassifizierbar, die denen älterer Kinder ähneln. In den ersten Lebensmonaten ist das Narkose-EEG weniger differenziert, kann aber als Anhalt bei der Narkoseführung verwendet werden.

Abstract

The electroencephalogram (EEG) of wakefulness, sleep, and anaesthesia changes during childhood. Especially marked are the changes during the first year of life. In the second half of the first year, in most children EEG stages can be classified visually and automatically during anaesthesia which are similar to those observed in older children. In the first months of life, the EEG of anaesthesia is less differentiated, but it is still useful in patient monitoring during anaesthesia.

Kernaussagen

  • Das Schlaf- und das Narkose-EEG zeigen in der Kindheit deutliche Veränderungen. Diese sind im 1. Lebensjahr besonders ausgeprägt.

  • In den ersten Lebensmonaten sind in der Narkose EEG-Bilder, die durch langsame Delta-Aktivität geprägt sind, sowie Burst-Suppression-Muster mit Suppressionsstrecken unterschiedlicher Länge typisch.

  • In einem eigenen Datensatz war bei der Mehrzahl der Kinder im Alter von einem halben Jahr kontinuierliche höherfrequente EEG-Aktivität vorhanden, sodass die Narkose-EEG-Stadien B–F unterschieden werden konnten.

  • Bei der Berechnung von Hypnosetiefe-Indizes bzw. der Ermittlung von EEG-Stadien ist das Patientenalter zu berücksichtigen.

  • Bei Kindern mit wenig differenziertem Narkose-EEG sollte eine Klassifikation des Narkose-EEG mit wenigen Stadien vorgenommen werden. Die Burst-Suppression-Ratio (BSR) oder das Inter-Burst-Intervall (IBI) können einbezogen werden.

  • Das amplituden-intergrierte EEG (aEEG) kann bei der Analyse des Narkose-EEG bei Kindern in den ersten Lebensmonaten eine sinnvolle Ergänzung sein.

  • Während Sevoflurannarkosen kann epilepsietypische EEG-Aktivität auftreten. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens nimmt mit steigenden Sevoflurankonzentrationen zu. Bei Kindern werden häufig höhere Sevoflurankonzentrationen verwendet, z. B. bei Maskeneinleitungen. Daher ist es in dieser Patientengruppe besonders wichtig, epilepsietypische Aktivität zu erkennen.

  • Epilepsietypische EEG-Aktivität ist bei der Interpretation des EEG hinsichtlich der Hypnosetiefe zu berücksichtigen.

  • Der Narkosemittelbedarf bei Kindern weist hohe interindividuelle Unterschiede auf. Das EEG-Montoring unterstützt eine individuell angepasste Dosierung hypnotisch wirksamer Substanzen.

Ergänzendes Material