Pneumologie 2014; 68 - P33
DOI: 10.1055/s-0034-1367855

Ein seltener Fall einer in Arizona (USA) häufigen Erkrankung

MJ Richter 1, C Wiedenroth 2, M Zaatar 2, S Guth 2, E Mayer 2, S Beqiri 2, A Ghofrani 3, R Voswinckel 4, T Siemons 5, V Mitrovic 6, L Fink 7, C Bauer 8
  • 1Abteilung für Allgemeine Pneumologie, Lungenzentrum, Kerckhoff-Klinik, Mitglied des Deutschen Zentrums Für Lungenforschung (Dzl), Bad Nauheim
  • 2Abteilung für Thoraxchirurgie, Lungenzentrum, Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim
  • 3Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH; Standort Gießen; Med. Klinik II/V
  • 4Medizinische Klink II, Abteilung Pneumologie, Ukgm, Standort Gießen
  • 5Abteilung Diagnostische Radiologie, Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim
  • 6Forschungsgesellschaft Mbh, Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim
  • 7Institut für Pathologie und Zytologie, Überregionale Gemeinschaftspraxis, Wetzlar
  • 8Institut für Parasitologie, Justus-Liebig-Universität Gießen

Im Folgenden wird über einen 59-Jahre alten Mann mit seit ca. 3 Monaten bestehender Abgeschlagenheit und Müdigkeit im Juni 2013 berichtet. Bei Nachweis eines pulmonalen Infiltrats erfolgte unter der Verdachtsdiagnose einer ambulant erworbenen Pneumonie eine empirische antimikrobielle Therapie ohne wesentliche klinische und radiologische Besserung. Das CT-Thorax zeigte ein konsolidierendes Infiltrat in der Lingula sowie disseminierte infiltrative Veränderungen in Ober- und Unterlappen beidseits. Bei persistierenden Infiltraten wurde zunächst eine Bronchoskopie durchgeführt. Mikrobiologisch gelang kein Erregernachweis; die bronchoalveoläre Lavage zeigte eine ausgeprägte eosinophile Reaktion. Zur weiteren Differenzierung erfolgte eine CT-gesteuerte Punktion des konsolidierten Bereichs der Lingula. Histopathologisch zeigte sich das Bild einer epitheloidzellig granulomatösen Entzündung mit zentralen Nekrosen, Gewebseosinophilie und zahlreichen ca. 10 – 20 µm großen, rundlichen, basophilen, z.T. dickschaligen Strukturen, die bisweilen ovale, ungefärbte Gebilde enthielten. Diese Strukturen ähnelten Pilzsporen (Sphaerulae) und lenkten den Verdacht auf eine Infektion mit Coccidioides sp. (Kokzidioidomykose). Serologisch wurden Coccidioides-spezifische Antikörper nachgewiesen. Die Auslandsanamnese ergab einen dreiwöchigen Aufenthalt in Arizona (USA) im April 2013. Leitliniengerecht erfolgte bei pulmonaler Disseminierung mit Beteiligung mehrerer Lungenlappen ohne Ausbildung von Kavernen eine primäre Therapie mit Fluconazol. Follow-Up-Untersuchungen wurden 1 und 3 Monate nach Therapie durchgeführt. Die Fluconazol-Therapie stabilisierte den klinischen Verlauf bei partiell rückläufigen radiologischen Befunden und deutlich verbessertem Allgemeinzustand.

Der Fallbericht beschreibt einen in wüstenartigen Regionen von Arizona und anderen südwestlichen Staaten der USA häufig vorkommenden, in Deutschland jedoch seltenen diagnostizierten Fall einer pulmonalen Kokzidioidomykose. Die Kombination aus persistierenden Infiltraten unter empirischer Therapie zusammen mit dem Fehlen eines typischen mikrobiologischen Erregers sowie der spezifischen Auslandsanamnese sollten zu einer entsprechend weiterführenden Diagnostik führen.