Radiologie up2date 2014; 14(02): 143-160
DOI: 10.1055/s-0034-1365641
Pulmonale und kardiovaskuläre Radiologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Staging und Therapiemonitoring maligner Lymphome

Staging and response assessment in malignant lymphoma
J. Stattaus
Further Information

Publication History

Publication Date:
01 June 2014 (online)

Zusammenfassung

Dieser Beitrag erläutert auf der Basis aktueller Leitlinien und Veröffentlichungen die radiologischen Methoden zum Staging und zur Verlaufsbeurteilung maligner Lymphome. Die CT ist die diagnostische Grundlage, um pathologische Lymphknoten und Organmanifestationen von Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen nachzuweisen. Die größenbasierte CT-Verlaufskontrolle der Lymphome nach Therapie leidet unter den oft nachweisbaren avitalen Residualbefunden. Die Positronenemissionstomografie (PET) kann beim Hodgkin-Lymphom zuverlässig einen Resttumor nach Chemotherapie nachweisen, beim Non-Hodgkin-Lymphom wird der exakte Stellenwert gegenwärtig in klinischen Studien bestimmt. Auswertungskriterien zur Verlaufsbeurteilung mit CT und PET werden vorgestellt und ihre Aussagekraft aufgrund von Metaanalysen bewertet. Leitlinienbasiert werden Empfehlungen zur Untersuchungsmethode und -frequenz in Staging, Verlaufskontrolle und Nachsorge ausgesprochen.

Abstract

This review illustrates radiological methods for staging and therapy response assessment of malignant lymphoma. Computed tomography (CT) is the fundamental method for detection of pathological lymph nodes and organ involvement of Hodgkin and Non Hodgkin Lymphoma (NHL). Size-based response assessment with CT is hampered by non-viable residual masses. Positron emission tomography (PET) can reliably detect viable tumor after chemotherapy in Hodgkin lymphoma. The role of PET in NHL is currently evaluated by clinical studies. This review introduces criteria for response assessment with CT and PET and assesses their value according to meta-analyses. Based on current guidelines, examination methods and their frequency for staging, therapy control and surveillance are recommended.

Kernaussagen
  • Bei den Lymphomen unterscheidet man zwischen dem Hodgkin-Lymphom und der heterogenen Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) und nach der WHO außerdem zwischen indolenten und aggressiven Lymphomen.

  • Die CT ist die diagnostische Grundlage, um pathologische Lymphknoten und Organmanifestationen von Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen nachzuweisen. Standarddiagnostik ist eine CT von Hals, Thorax und Abdomen inkl. Becken mit intravenöser Kontrastmittelgabe. Als pathologisch gewertet werden zervikale, axilläre, thorakale und abdominelle Lymphknoten, die in der Kurzachse größer als 10 mm, und inguinale Lymphknoten, die in der Kurzachse größer als 15 mm sind. Das typische Bildmuster maligner Lymphome sind multiple, dicht gepackte Lymphknoten in einer oder mehreren Regionen, überwiegend mediastinal oder retroperitoneal bzw. mesenterial.

  • Die FDG-PET verspricht, vitale Tumorreste nach der Therapie von avitalen Residuen unterscheiden zu können. PET-basierte Therapieentscheidungen sind aber gegenwärtig nur für eine Indikation, nämlich die Entscheidung zur konsolidierenden Strahlentherapie beim Hodgkin-Lymphom [3], allgemein anerkannt.

  • Die MRT ist durch exzellenten Weichteilkontrast und fehlende Strahlenbelastung eine hochinteressante Alternative im Tumorstaging. Dies gilt insbesondere für Kinder.

  • Für das Staging sind eine CT von Hals, Thorax und Abdomen inkl. Becken mit intravenöser Kontrastmittelgabe und eine Knochenmarkbiopsie fest etablierter Standard. Weltweit wird dazu die Ann-Arbor-Klassifikation (oder die Cotswold-Klassifikation als Modifikation) eingesetzt, die bei Hodgkin-Lymphomen noch um Risikofaktoren ergänzt wird.

  • Für die Responsebeurteilung der malignen Lymphome wurden die IWG- und IHP-Kriterien entwickelt. Die IHP-Kriterien wurden initiiert, weil die IWG-Kriterien in der Praxis schwierig umzusetzen waren und die PET nicht berücksichtigen.

  • Als Kontrolle nach Therapie eines Hodgkin-Lymphoms wird die Entscheidung über eine konsolidierende Strahlentherapie von Resten ≥ 2,5 cm Größe PET-basiert getroffen. Ob weitere Therapieentscheidungen beim Hodgkin-Lymphom von einem Zwischen- oder Abschlussstaging PET-abhängig getroffen werden können, wird derzeit untersucht.

  • In der Nachsorge sind routinemäßige CT-Kontrollen auch heute noch klinischer Alltag, obwohl es keine klaren Belege für einen dadurch zu erreichenden Überlebensvorteil gibt.