Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2013; 48(11/12): 714-720
DOI: 10.1055/s-0033-1361979
Fachwissen
Topthema
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Weiterbildung – Wandel der Werte und Wissensvermittlung

Knowledgetransfer in the light of changingvalues
Klaus Hahnenkamp
,
Peter Brinkrolf
,
Markus Wenning
,
Joachim Hasebrook
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
16. Dezember 2013 (online)

Zusammenfassung

Neben dem formalen und juristischen Aspekt der ärztlichen Weiterbildung kommt ihr eine zunehmende Bedeutung als Instrument der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern zu. Der Wandel vom Arbeitgeber- hin zu einem Arbeitnehmermarkt, die demografische Entwicklung sowie die geänderten Wertvorstellungen der „Generation Y“ beeinflussen dabei maßgeblich die Gestaltung einer erfolgreichen Weiterbildung. Eine solche muss sich an veränderte Arbeitsbedingungen, insbesondere einem steigenden Anteil an Teilzeitkräften, und dem Lernverhalten der derzeitigen Berufseinsteiger orientieren. Angesichts komplexerer Eingriffe und der Behandlung immer älterer und kränkerer Patienten wird dabei die Bedeutung simulierter Lehrumgebungen weiter steigen.

Abstract

Besides its formal and legal relevance, postgraduate medical education plays an important role in recruiting and retaining employees. Success of graduate education is affected by a changing environment: the former employer market is turning into an employee market. Demographic changes are taking place and a new generation of employees 'Generation Y' is entering the job market. In addition, working conditions are changing: part-time work is increasing and the learning behavior of young professionals demands more flexibility and the use of digital media. These changes and conditions will shape graduate medical education. On the one hand, medical interventions are becoming increasingly complex, on the other hand patients are getting older and sicker. Therefore, simulation-based learning will play an important role in medical training.

Kernaussagen

  • Die ärztliche Weiterbildung findet in Deutschland meist unstrukturiert „on the job“ statt, ohne dass entsprechende Freiräume eingeplant sind.

  • Das derzeitige System der Klinikfinanzierung bietet keine Anreize für Klinikträger, Ressourcen für die Weiterbildung von Assistenzärzten zur Verfügung zu stellen.

  • Der Arbeitsmarkt für Ärzte unterliegt einem Wechsel von einem Arbeitgeber- hin zu einem Bewerbermarkt. So wird die Qualität der Weiterbildung zu einem Wettbewerbsfaktor bei der Personalakquise.

  • Derzeit findet in den Kliniken ein Generationenwechsel statt: Neue Mitarbeiter gehören zur Generation Y und haben andere Anforderungen an ihren Arbeitsplatz, die Arbeitszeitgestaltung und die Organisation der Weiterbildung als ihre Vorgänger.

  • Die Zukunft der Medizin ist weiblich; zeitgleich verlassen junge Väter die klassische Rolle des „Ernährers“, sodass eine zeitliche Flexibilisierung der Weiterbildung erforderlich wird.

  • Eine strukturierte und bedarfsgerechte Weiterbildung lässt sich mit elektronischen Skills-Management-Systemen erreichen.

  • Um das Lernverhalten der Generation Y zu berücksichtigen, ist u. a. die Nutzung von Smartphones zu Bildungszwecken sinnvoll.

  • Die Bedeutung von Skills Labs und Simulationen wird angesichts kränker werdender Patienten und zunehmender Behandlungskomplexität steigen.

Ergänzendes Material