Aktuelle Ernährungsmedizin 2014; 39(01): e43-e56
DOI: 10.1055/s-0033-1360014
Leitlinie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE und der DGVS

Klinische Ernährung in der Gastroenterologie (Teil 2) – PankreasS3-Guideline of the German Society for Nutritional Medicine (DGEM) in Cooperation with the GESKES, the AKE and the DGVSClinical Nutrition in the Gastroenterology (Part 2) – Pancreas
J. Ockenga
1   Klinikum Bremen Mitte, Medizinische Klinik II – Gastroenterologie, Endokrinologie & Ernährungsmedizin, Bremen, Deutschland
,
Chr. Löser
2   Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel, Kassel, Deutschland
,
M. Kraft
3   Vinzentius-Krankenhaus Landau, Medizinische Klinik I, Gastroenterologie, Hepatologie, Hämato-Onkologie, Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, Landau in der Pfalz, Deutschland
,
C. Madl
4   Krankenanstalt Rudolfstiftung, Medizinische Abteilung mit Gastroenterologie und Hepatologie, Wien, Österreich
,
und das DGEM Steering Committee › Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
07 February 2014 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung: Die akute und chronische Pankreatitis sind häufige Erkrankungen. Während ca. 80 % der Patienten mit akuter Pankreatitis eine eher geringe Morbidität aufweisen, verläuft die Erkrankung bei 20 % der Patienten schwer mit z. T. signifikanter Letalität. Die chronische Pankreatitis hat aufgrund der oftmals schmerzbedingten reduzierten Nahrungsaufnahme und einer Maldigestion ein hohes Risiko für Ernährungsdefizite. Die vorliegende S3-Leitlinie gibt Empfehlungen zum ernährungsmedizinischen Management dieser Erkrankungen.

Methodik: Es wurde eine systematische Literaturrecherche zur Ernährung bei den genannten Krankheitsbildern durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe diskutiert. Auf dieser Basis wurden von der Arbeitsgruppe 32 Empfehlungen erarbeitet und bewertet, die im Rahmen der vorliegenden S3-Leitlinie in einem Delphi-Verfahren und einer Konsensuskonferenz vorgestellt, diskutiert und verabschiedet wurden.

Ergebnisse: In der ernährungsmedizinischen Betreuung von Patienten mit akuter Pankreatitis hat es in den letzten 15 Jahren einen wesentlichen Paradigmenwechsel gegeben. Gestützt auf entsprechende Studien können mit signifikanter Evidenz Empfehlungen für die Ernährung von Patienten mit akuter Pankreatitis gegeben werden. Während bei der leichten bis moderaten akuten Pankreatitis eine liberale und frühzeitige orale Nahrungsaufnahme möglich ist, ist bei der schweren akuten Pankreatitis eine frühzeitige enterale künstliche Ernährung indiziert. Durch diese Maßnahme kann nicht nur die Morbidität, sondern auch die Letalität gesenkt werden. Patienten mit chronischer Pankreatitis profitieren von einem ernährungsmedizinischen Assessment und gezielten diätetischen Interventionen.

Schlussfolgerung: Eine individuelle, der klinischen Situation angepasste Ernährungstherapie ist ein wesentlicher Baustein in der multimodalen Therapie der akuten und chronischen Pankreatitis.

Abstract

Purpose: Acute and chronic pancreatitis are frequent diseases with relevant clinical impact. About 80 % of patients with an acute pancreatitis have a mild or moderate course of the disease. However, 20 % develop a severe life threatening disease. Patients with chronic pancreatitis often have an increased risk for malnutrition due to feeding associated pain or maldigestion. The current S3 guideline gives evidence-based recommendations for adequate nutritional support due to the individualized course of disease.

Methods: A systematic literature search about nutrition and the mentioned disease patterns was conducted. The results were discussed in an interdisciplinary working group. This group developed 32 recommendations, which were presented, discussed and confirmed in a consensus conference.

Results: In the last 15 years major changes in the nutritional support of patients with pancreatitis have been developed. The current S3 guideline provides evidence based recommendations for the indications, application and type of nutritional support to be used in acute and chronic phases of pancreatic disease. In patients with mild/moderate acute pancreatitis oral feeding should be started liberal. In patients with severe acute pancreatitis an early enteral nutrition has been shown to significantly reduce morbidity and mortality. In chronic pancreatitis nutritional assessment and support are mandatory.

Conclusion: An individualized nutritional support is an important part of the multimodal therapy of patients with acute or chronic pancreatitis.

* DGEM Steering Committee: Bischoff SC, Lochs H, Weimann A sowie das DGEM-Präsidium