Krankenhaushygiene up2date 2013; 08(04): 229-230
DOI: 10.1055/s-0033-1359175
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Finanzkrise, soziale Ungleichheit und Infektionskrankheiten

Tim Eckmanns
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Publikationsdatum:
19. Dezember 2013 (online)

„…Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen.“ Rudolf Virchow (1848)

Im Rahmen der weltweiten Finanzkrise (in den Jahren 2008 ff.) wurden harte ökonomische Entscheidungen gegenüber Ländern bzw. den dort Lebenden getroffen, die oft nicht dem medizinischen Grundsatz „primum non nocere“ (zuerst einmal nicht schaden) folgten. In einer systematischen Übersichtsarbeit beschreiben Suhrcke et. al. die Folgen von ökonomischen Krisen für die Verbreitung übertragbarer Krankheiten [1]. Sie zeigen, dass den meisten Studien zufolge (30 von 37) die Zahl der Infektionskrankheiten im Rahmen der Krise angestiegen sind. Als Erklärung legten sie das SIR-Model (susceptible, infectious, recovered) zugrunde. Dem zufolge sind die Menschen auf Grund von eingeschränkter Nahrung, einem angegriffenem Immunsystem und schlechter Immunisierung im Zeitraum der Krise empfänglicher für Infektionskrankheiten. Die Infektionsrate steigt direkt z. B. in Folge überfüllter Gefängnisse, der Zunahme von Hochrisikopopulationen wie z. B. Obdachlosen oder schlechterer Wohnbedingungen, aber auch indirekt in Folge des Zusammenbruchs der Infrastruktur (z. B. Kurzschlüsse zwischen Abwasser und Wasserversorgung) oder des Anstiegs von Vektoren. Gleichzeitig ist während der Krise die Therapie eingeschränkt, da die Anzahl der Ärzte sinkt und Medikamente nicht mehr erschwinglich sind.