Krankenhaushygiene up2date 2013; 08(04): 261-272
DOI: 10.1055/s-0033-1359003
Antibiotikaanwendung
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Resistenzentwicklung gegen Antimykotika bei medizinisch relevanten Pilzen?

Herbert Hof
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Publication Date:
19 December 2013 (online)

Kernaussagen
  • Die Prävalenz von Resistenzen von Pilzen gegen Antimykotika ist relativ gering. Im Vergleich zu den Bakterien verfügen Pilze über weniger Resistenzmechanismen. So fehlt vor allem die Fähigkeit, Enzyme zu produzieren, welche die Antimykotika zerstören oder so verändern, dass sie unwirksam werden. Gerade dieser Mechanismus ist für Bakterien die stärkste „Waffe“ gegen Antibiotika, z. B. wenn sie β-Laktamantibiotika mit Hilfe von β-Laktamasen hydrolysieren.

  • Besonders wichtig ist eben die Tatsache, dass eine plasmid- bzw. transposonkodierte Resistenz bei Pilzen bislang im Gegensatz zu Bakterien noch nie aufgetreten ist. Damit ist gesichert, dass bei Pilzen eine horizontale Ausbreitung von Resistenzen nicht erfolgen kann, was ein ganz entscheidender Faktor für die Ausbreitung von Resistenzen unter Bakterien derselben Art und darüber hinaus auch sogar zwischen verschiedenen Gattungen ist.
    Eine explosionsartige Zunahme der Resistenzen unter Pilzen ist somit nicht zu erwarten, auch wenn in der Medizin und in der Landwirtschaft große Mengen davon verwendet werden und so ein Selektionsdruck ständig steigt.

  • Wenn Pilze eine Resistenz gegen einzelne Antimykotika durch Mutation im Genom oder durch Regulationsmechanismen entwickelt haben, so kann dies Nachteile für die Fitness der Pilze mit sich bringen. Folglich werden solche Stämme häufig in ihrer Virulenz geschwächt sein. Somit werden solche geschwächten Stämme nach Sistieren des Selektionsdrucks, d. h. nach Ende einer Therapie oder einer Anwendung in der Landwirtschaft, auch wieder verschwinden.

  • Pilze sind eben in vieler Hinsicht anders als Bakterien, und eine rasche, explosionsartige Ausbreitung resistenter Pilzstämme ist nicht zu erwarten [42] [43].