Zahnmedizin up2date 2014; 8(6): 573-585
DOI: 10.1055/s-0033-1358048
Zahnerhaltung, Prävention und Restauration
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Möglichkeiten der Zahnaufhellung – Bleichen und Alternativen

Anne-Kathrin Schmidt
,
Annette Wiegand
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Publication Date:
21 November 2014 (online)

Einleitung

Medien und Gesellschaft schaffen eine wachsende Sensibilisierung für ästhetisch motivierte zahnmedizinische Behandlungen. Aus verschiedenen Untersuchungen ist bekannt, dass eine Verbesserung des dentalen Erscheinungsbildes durch zahnmedizinische Behandlungen, u. a. auch durch zahnaufhellende Maßnahmen [1], die Lebensqualität positiv beeinflussen kann. Umgekehrt beeinflussen starke Verfärbungen der Zähne, wie sie z. B. mit verschiedenen Strukturanomalien einhergehen, die Lebensqualität negativ [2].

Merke: Zahnaufhellende Maßnahmen stellen eine minimalinvasive Möglichkeit dar, die bestehenden Verfärbungen zu entfernen oder abzumildern.

In Abhängigkeit von der Ursache der Verfärbung kommen verschiedene externe oder interne Verfahren in Betracht, die im Folgenden dargestellt und diskutiert werden sollen. Abschließend werden Alternativen zu den Bleichtherapien vorgestellt.

Ursachen verschiedener Farbveränderungen

Farbveränderungen der Zähne können unterschiedliche Ursachen haben.

Externe Verfärbungen

Die Auflagerung von farbgebenden Molekülen aus Nahrungs- und Genussmitteln (z. B. Tannine, Polyphenole, Teerkondensate), zinn- oder chlorhexidinhaltigen Mundspülungen und die Anheftung chromogener Bakterien können zu extrinsischen Verfärbungen der Zähne führen, die jedoch im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung entfernt werden können.


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Intrinsische Verfärbungen

Davon abzugrenzen sind intrinsische Verfärbungen, die entweder angeboren oder erworben sind und einzelne Zähne oder die gesamte Dentition betreffen können.

Nicht eindeutig definiert sind solche Farbveränderungen, die durch das Eindringen von Farbpigmenten durch Porositäten oder Risse in die Tiefe der Zahnhartsubstanz entstanden sind [3] (Abb. [1]).

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Abb. 1 Punktuelle Farbeinlagerungen in Mikroporositäten der Zahnhartsubstanz, die auch bei einer professionellen Zahnreinigung nicht entfernt werden konnten.

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Präeruptive Zahnverfärbungen

Zu den präeruptiven Farbveränderungen gehören Fluorosen, Tetrazyklinverfärbungen, genetisch-
bedingte Anomalien (z. B. Amelogenesis imperfecta, Dentinogenesis imperfecta) und die Molaren-Inzisivi-Hypomineralisation (MIH), die mehrere, teilweise alle Zähne der Dentition betreffen (Abb. [2], [3], [4], [5]). Milchzahntraumata oder entzündliche Prozesse der Milchzähne können während der Zahnreifung den bleibenden Zahnkeim schädigen (Tab. [1]).

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Abb. 2 Fluorotische Veränderungen bei Patientin mit bekannter hochdosierter Fluoridsupplementierung im Kindesalter. Die Grenzdosis für Fluorosen beträgt ca. 0,01 − 0,1 mg/kg KG/d bis zum 8. Lebensjahr.
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Abb. 3 Amelogenesis imperfecta bei einem 16-jährigen Patienten mit bekannter familiärer Häufung (Großvater, Vater, Bruder).
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Abb. 4 Dentinogenesis imperfecta mit gräulich-bräunlicher Verfärbung.
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Abb. 5 Molaren-Inzisivi-Hypomineralisation.

Merke: Diese Art der Verfärbung geht häufig auch mit einer Deformation der Zahnkrone des bleibenden Zahnes einher, betrifft aber nur einzelne Zähne [3], [4].


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Posteruptive Zahnverfärbungen

Posteruptiv aufgetretene Verfärbungen treten i. d. R. als Folge eines Traumas oder einer zahnärztlichen Behandlung auf und betreffen ebenfalls nur einzelne Zähne (Tab. [1]).

Tabelle 1 Ursachen intrinsischer Verfärbungen (nach Zimmerli et al. [3] und Plotino et al. 2008 [5]).

präeruptive Gründe

posteruptive Gründe

  • Fluorose

  • Tetrazyklinverfärbung

  • Genetik (z. B. Amelogenesis imperfecta)

  • Zahntrauma der 1. Dentition

  • Pulpanekrose

  • intrapulpale Blutung

  • verbliebenes Pulpagewebe nach endodontischer Therapie

  • endodontische Materialien (Einlagen, Wurzelkanalsealer)

  • Füllungsmaterialien

  • Wurzelresorption

  • Alterungsprozesse

Zahntrauma

Nach einem Zahntrauma kann es durch die Verletzung der Pulpa zu einer Einblutung in die Dentintubuli kommen. Der Zahn erscheint zunächst rötlich verfärbt (intrapulpale Hämorrhagie), wobei dieser Zustand transient sein kann. Durch Einlagerung chromogener Blutabbauprodukte, wie Hämosiderin, Hämin, Hämatin und Hämatoidin entsteht zwei- und dreiwertiges Eisen, das mit von Bakterien gebildetem Wasserstoffsulfid zu schwarzem Eisensulfid oder Eisensulfidverbindungen reagiert und eine gräulich bis schwärzliche Verfärbung hervorruft. Diese Verfärbungen können auch bei einer Pulpanekrose oder unvollständigen Entfernung der Pulpa im Rahmen einer endodontischen Behandlung entstehen (Abb. [6] und [7]).

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Abb. 6a Intrinsische Verfärbungen der Zähne 12 (Fistelgang) und 11. b Der Ausgangsbefund zeigt eine Parodontitis apicalis an 12 und 11 und verbliebenes Wurzelfüllmaterial im koronalen Zahnanteil.
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Abb. 7a Im Rahmen der Wurzelbehandlung verbliebendes nekrotisches Pulpagewebe, welches zu einer Graufärbung des Zahnes 21 führte. b Der behandelnde Zahnarzt hatte zur Abdeckung der Verfärbung ein Komposit-Veneer angefertigt.

Merke: Davon abzugrenzen sind interne Resorptionen, bei denen das Granulationsgewebe durch den Schmelzmantel schimmert und den Zahn rosa bis rötlich verfärbt.


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Iatrogene Verfärbungen

Iatrogene Verfärbungen können durch Füllungsmaterialien (z. B. Mineral-Trioxid-Aggregat, Amalgam) oder Spüllösungen (rötliche Parachloranillinausfällung bei Kombination von Natriumhypochlorid und Chlorhexidindigluconat) entstehen [3].

Cave: Eine rötliche Färbung nach Trauma kann transient sein und verlangt nicht zwingend eine Therapie.


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Reize

Reizabhängig oder altersbedingt können Dentinsklerosierungen entstehen, die zu gelblichen Verfärbungen der Zähne führen (Abb. [8]). Durch die Obliteration und Apposition von Tertiärdentin wird das Chroma erhöht und die Transluzenz des Dentins reduziert [3].

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Abb. 8 Zustand nach unkomplizierter Schmelz-Dentin-Fraktur mit reaktiver Obliteration des Zahnes 22.

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Karies

Ebenso können Farbveränderungen durch kariöse Läsionen verschiedener Ausprägungsgrade (vermehrtes Porenvolumen an der Zahnoberfläche) resultieren.


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