Phys Med Rehab Kuror 2014; 24(01): 42-47
DOI: 10.1055/s-0033-1355344
Wissenschaft und Forschung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Effektivität von Neuromobilisation bei Rehabilitation von Störungen der taktilen Diskriminierung der oberen paretischen Extremität bei Patienten in einem späten Zeitpunkt nach Schlaganfall

Effectiveness of Neuromobilisation in Upper Limb Discriminatory Sense Rehabilitation in Late-Stage Post-Stroke Patients
T. Wolny
1  Lehrstuhl für Kinesiotherapie und spezielle Methoden der Physiotherapie, Akademie für Körpererziehung, Kattowitz OS, Polen
2  Wirtschaftshochschule, Dąbrowa Górnicza, Polen
,
E. Saulicz
1  Lehrstuhl für Kinesiotherapie und spezielle Methoden der Physiotherapie, Akademie für Körpererziehung, Kattowitz OS, Polen
2  Wirtschaftshochschule, Dąbrowa Górnicza, Polen
,
A. Myśliwiec
1  Lehrstuhl für Kinesiotherapie und spezielle Methoden der Physiotherapie, Akademie für Körpererziehung, Kattowitz OS, Polen
,
M. Kuszewski
1  Lehrstuhl für Kinesiotherapie und spezielle Methoden der Physiotherapie, Akademie für Körpererziehung, Kattowitz OS, Polen
,
M. Kokosz
1  Lehrstuhl für Kinesiotherapie und spezielle Methoden der Physiotherapie, Akademie für Körpererziehung, Kattowitz OS, Polen
,
M. Saulicz
2  Wirtschaftshochschule, Dąbrowa Górnicza, Polen
3  Lehrstuhl für Physiotherapie der inneren Krankheiten, Akademie für Körpererziehung, Kattowitz OS, Polen
,
P. Linek
1  Lehrstuhl für Kinesiotherapie und spezielle Methoden der Physiotherapie, Akademie für Körpererziehung, Kattowitz OS, Polen
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

eingereicht 20 April 2013

angenommen 14 August 2013

Publication Date:
05 February 2014 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung:

In dieser Arbeit wird ein Versuch unternommen die Ergebnisse der Neuromobilisation der peripheren Nerven nach Butler bei der Rehabilitation von Störungen der taktilen Diskriminierung der oberen paretischen Extremität bei Patienten in einem späten Zeitpunkt nach Schlaganfall zu beurteilen.

Materialien und Methode:

Die Untersuchung umfasste insgesamt 64 Patienten nach einem Schlaganfall, die zufällig in 2 Gruppen aufgeteilt wurden. Das Therapieprogramm in der Gruppe A beruhte auf einem klassischen Modell der Rehabilitation und einer individuellen Therapie, die an die PNF-Methode angelehnt war. Die Gruppe B hatte das gleiche Therapieprogramm wie Gruppe A, aber zusätzlich ergänzt um die Neuromobilisation der peripheren Nerven der oberen paretischen Extremität. Die Untersuchung der Zweipunktdiskrimination erfolgte im Bereich der Endglieder der Fingerknochen der Hand I–V auf der Handflächenseite, zuerst an der gesunden Extremität, anschließend an der paretischen Ex­tremität. Die Untersuchung wurde 2-mal durchgeführt: vor dem Beginn der Rehabilitation und nach dem Abschluss der Behandlung auf der ­Rehabilitationsabteilung.

Ergebnisse:

Die angewandte Neuromobilisa­tion der peripheren Nerven der oberen paretischen Extremität beeinflusste signifikant die taktile Diskrimierung. In der Ausgangsuntersuchung wurden keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Gruppen beobachtet, diese aber kamen zum Vorschein in der Abschlussuntersuchung (I Finger p<0,0001, II Finger p<0,05, III Finger p<0,01, IV Finger p<0,05, V Finger p<0,001). In jedem Fall größere Verbesserung wurde in der Gruppe B beobachtet.

Diskussion:

Die vorstehenden theoretischen Überlegungen in Verbindung mit den Untersuchungsergebnissen bestätigen die Richtigkeit der Anwendung der Neuromobilisation von peripheren Nerven an der paretischen oberen Extremität bei Patienten nach dem Schlaganfall. Die Verbesserung der Mechanik in diesem Fall beeinflusste wesentlich die taktile Diskrimination, was wiederum Einfluss auf die Bewegungsfunktion haben kann. Es scheint, dass die vorstehenden Techniken in die Behandlungsmethodik jedes professionellen Physiotherapeuten Aufnahme finden sollten, der sich mit Krankheiten des zentralen Nervensystems befasst, bei denen man Störungen der Neuromechanik erwarten kann.

Schlussfolgerung:

Die Ergänzung der Rehabilitation der paretischen Extremität um die individuell angepassten Methoden der Verbesserung der Neurodynamik stellen ein wirksames Mittel der Reduktion von Sensibilitätsdefiziten, auch in der Phase der Kompensation und Adaptation nach dem Schlaganfall.

Abstract

Purpose:

This study evaluates the effectiveness of peripheral nerve mobilisations according to Butler’s approach in upper limb discriminatory sense rehabilitation in late-stage post-stroke ­patients.

Material and Methods:

64 stroke patients were randomly divided into 2 groups. The therapeutic program in Group A was based on traditional post-stroke therapy combined with proprioceptive neuromuscular facilitation method. Group B underwent the same therapeutic program as Group A, plus Butler’s neuromobilisations of the peripheral nerves of the impaired upper limb. Assessment of the 2-point discriminatory sense was performed on the palmar side of the distal phalangae from I to V: a compass with 2 blunted tips and a calliper gauge served as tools for this. Measurements were made before the start of the therapeutic program (initial) and after its completion (final).

Results:

Application of Butler’s mobilisations directed to the peripheral nerves of the affected upper extremity resulted in a significant improvement in the discriminatory sense of the stroke patients. The inter-group differences, that were non-significant during the initial measurement (p>0.05 in each case), showed a trend towards significance during the second series. Results for fingers as follows: 1st p<0.0001; 2nd p<0.05; 3rd p<0.01; 4th p<0.05; 5th p<0.001). In each case more functional progress was apparent in Group B compared with Group A.

Discussion:

The theoretical argument and experimental data presented above support the idea of incorporating mobilisation of peripheral nerves in the post-stroke rehabilitation program. As we have demonstrated, such technique have a beneficial effect on the level of discriminatory sense. It seems that all the available therapeutic techniques should find their own place in the routine “therapeutic workshop” of every physiotherapist dealing with neurological problems connected with disturbed neuromechanics.

Conclusion:

It appears that individually selected techniques that enhance neurodynamics are a beneficial method to improve sensory deficits even in the late, adaptational stage of post-stroke convalescence.