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DOI: 10.1055/s-0033-1354152
Erreichbarkeit sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen durch mobile Prävention und Gesundheitsförderung im Stadtteil – Das Kindergesundheitsmobil Essen
Hintergrund: Der Stadtteil ist ein wichtiges Setting für die Erreichbarkeit von Kindern/Eltern im Rahmen von Angeboten der Prävention und Gesundheitsförderung. Hier werden auch die Kinder und Familien in ihrer Lebenswelt angetroffen, für die der Zugang zu etablierten Versorgungssystemen sich eher schwierig gestaltet. Mit dem Modellprojekt Kindergesundheitsmobil (KIGEMO) wird ein regelmäßiges, niedrigschwelliges, aufsuchendes Angebot der Prävention und Gesundheitsförderung schwerpunktmäßig für Kinder bis 10 Jahren und deren Eltern umgesetzt. Das KIGEMO startete im Herbst 2012 und erprobte den Zugang über Kindertagesstätten und öffentliche Plätze in verschiedenen Stadtteilen der Stadt Essen. Es bietet eine Kombination von Aktivitäten der Prävention und Gesundheitsförderung (Ernährung, Bewegung, Umwelt, Entspannung, Gesundheitsinformation) und kinderärztlicher Beratung. Die begleitende Evaluation beinhaltet eine Untersuchung der Konzept-, Struktur- und Prozess- und Ergebnisqualität. In diesem Beitrag werden erste Ergebnisse der Struktur- und Prozessevaluation in der Erprobungsphase berichtet. Methodik: Die Struktur- und Prozessevaluation erfolgte zunächst quantitativ, in dem systematisch Informationen über zentrale Zugangsparameter dokumentiert werden (Wer hat wann was für/mit wem durchgeführt?). Des Weiteren wurde in drei Internen Qualitätsdiskursen (vor Ort und Telefonkonferenz) gemeinsam mit dem Team das Konzept und die Erfahrungen der Umsetzung vor Ort reflektiert. Im April 2012 startete weiterhin die qualitative Prozessevaluation u.a. mit ethnographischen Methoden (Beobachtungen) und leitfadengestützten Interviews mit dem KIGEMO-Team. Ergebnisse: Im Berichtszeitraum 10/2012 – 4/2013 wurden 153 Aktivitäten dokumentiert. Inhaltliche Schwerpunkte waren ernährungs- und bewegungsbezogene Aktivitäten. Es wurden insgesamt neun Standorte angefahren, davon drei Kitas und sechs öffentliche Plätze. Somit wurde jeder Standort im Durchschnitt 17mal „angefahren“. An den Aktivitäten nahmen über 2.200 Kinder zwischen 3 und 15 Jahren sowie 435 Erwachsene teil. Mehr als 90% der erreichten Kinder waren bis 10 Jahre alt. Während das Geschlechterverhältnis bei den Kindern insgesamt balanciert ist (M/F: 52%/48%) ist es bei den Erwachsenen M/F: 30%/70%. Im Laufe des betrachteten Erprobungszeitraums erfolgte eine Schwerpunktverlagerung des Settings durch Reduzierung der Kita-bezogenen Standorte und Ergänzung der zentralen Plätze in Stadtteilen. Es zeigt sich eine Tendenz dazu, dass im Laufe der Erprobungsphase zunehmend mehr Kinder und Eltern pro Standort erreicht werden. Diskussion/Schlussfolgerungen: Die Auswahl geeigneter Standorte als ein bedeutsamer Faktor für das Erreichen der Zielgruppe stand im Mittelpunkt der Erprobungsphase. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zielgruppen bezogen auf das Alter der Kinder erreicht werden. Ob an den Standorten ein nachhaltiger Zugang zu besonders vulnerablen sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen erreicht werden kann, wird Gegenstand der weiteren Evaluation und insbesondere auch der qualitativen Prozessevaluation sein.