Z Gastroenterol 2013; 51 - K420
DOI: 10.1055/s-0033-1353070

Der hypertensive und schlecht-relaxierende untere Ösophagussphinkter in der High-Resolution Manometrie (HRM) – Eine Studie zu Prävalenz und klinischen Eigenschaften

S Niebisch 1, 2, I Gockel 1, TJ Watson 2, H Lang 1, JH Peters 2
  • 1Universitätsmedizin Mainz, Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Mainz, Germany
  • 2University of Rochester Medical Center, Department of Surgery, Rochester, United States

Einleitung: Die Ätiopathogenese, klinische Signifikanz, und Therapie des hypertensiven unteren Ösophagussphinkters (HTLES) ist unklar und fordert Chirurgen sowie Gastroenterologen heraus.

Ziele: Untersuchung der Prävalenz, klinischen Eigenschaften, HRM-Charakteristika, sowie Symptomverlauf nach unterschiedlichen Behandlungen bei Patienten mit einem HTLES.

Methodik: Von 1.686 konsekutiven HRM wurden 38 Patienten (32 Frauen, 6 Männer; 52,8 ± 12,3 Jahre; BMI 25 kg/m2 [IQR 22 – 28]); mit einem idiopathischen HTLES identifiziert. Dieser wurde anhand eines Kontrollkollektivs (N = 50) als Ruhetonus > 49,8 mmHg (LESP) definiert. Bei 77% wurde eine simultane pH-Metrie durchgeführt welche in 80% negativ war (DeMeester Score < 14,7). 50% der Patienten unterzogen sich nach durchschnittlich 20 Monaten einen Fragebogen zu Symptomen und Therapie. 1/3 der Patienten erhielt keinerlei Therapie, 39% wurden mit PPI und 31% interventionell (BoTox, Dilatation, Myotomie) therapiert.

Ergebnis: Dysphagie wurde von 55%, Sodbrennen von 40%, Regurgitation von 34%, und thorakale Schmerzen von 18% der Patienten beschrieben. Der LESP betrug 59,7 ± 7,7 mmHg und der mediane Relaxationsdruck (4 s-IRP) 15,9 mmHg (IQR 13,6 – 19,6). Der Grossteil der Patienten hatte eine normale Motilität (55%). Dennoch wiesen 76% der Patienten Zeichen einer funktionellen Obstruktion auf. Hypertensive Kontraktionen („Jackhammer“- oder „Nutcracker“-Muster) waren bei 37% der Patienten vorhanden. Ein weiterer Patient zeigte klassische Zeichen eines diffusen Ösophagusspasmus. Sechsundzwanzig Patienten (68%) wiesen sowohl einen HTLES, als auch einen erhöhten 4 s-IRP (> 14,7 mmHg) auf, wobei Patienten mit Reflux zu geringeren Relaxationsdrücken (p = 0,08) tendierten. Lediglich die Behandlung mittels endoskopischer Dilatation und laparoskopische Myotomie führte zu einer Besserung der Symptome.

Schlussfolgerung: Patienten mit HTLES stellen ein sehr heterogenes Patientenkollektiv dar. Klinische Präsentation and diagnostische Tests zeigen sowohl Patienten mit einer vorwiegenden Refluxkomponente, als auch mit schwerwiegenden Motilitätsstörungen. Weitere multizentrische klinische Studien mit postinterventionellen Verlaufsbeobachtungen sind notwendig, um Behandlungsstrategien mit bestmöglichen Resultaten zu identifizieren.