Z Gastroenterol 2013; 51 - K351
DOI: 10.1055/s-0033-1353001

Der Kühleffekt von Lebergefäßen bei multipolarer Radiofrequenzablation beeinflusst die effektive Energiedichte signifikant – eine ex vivo Studie

F Poch 1, C Rieder 2, H Tiesler 2, V Knappe 1, B Frericks 3, JP Ritz 4, ME Kreis 1, KS Lehmann 1
  • 1Charité – Campus Benjamin Franklin, Berlin, Germany
  • 2Fraunhofer MEVIS, Bremen, Germany
  • 3DRK Kliniken Berlin Westend, Berlin, Germany
  • 4HELIOS Kliniken Schwerin, Schwerin, Germany

Einleitung: Die Chirurgie wird zur Behandlung von Lebermetastasen als Therapie der Wahl angesehen. Jedoch können viele Tumore auf Grund von ungünstigen bzw. multizentrischen Lokalisationen nicht reseziert werden. In solchen Fällen hat sich die Radiofrequenzablation (RFA) als alleiniger Therapieansatz oder additiv in Kombination mit der Chirurgie etabliert. Allerdings sind die Rezidivraten besonders in der Nähe von Gefäßen enttäuschend.

Ziel dieser Studie war es, den Gefäßkühleffekt in Abhängigkeit des Gefäß-Applikator-Abstandes bei der multipolaren RFA zu evaluieren.

Methodik: Multipolare RFA wurden in Schweinelebern ex vivo mit drei intern gekühlten Applikatoren und einem Applikatorabstand von 20 mm durchgeführt. Zur Simulation eines perfundierten Lebergefäßes wurde eine Glasröhre (3 mm Innendurchmesser, 100 ml/min Flussgeschwindigkeit, H2O) ausgehend vom geometrischen Mittelpunkt in 2,5 mm Schritten exzentrisch bis zu einem Abstand von 10,0 mm platziert. Zum Vergleich wurden Leerversuche ohne Kühlfluss mit zentral platziertem Kühlgefäß durchgeführt. Als Endpunkt der Ablationen wurde eine Energie von 40 kJ definiert. Die Thermoläsionen wurden mithilfe einer Planimetriesoftware vermessen und quantifiziert.

Abb. 1: Die Abbildung zeigt die Querschnittsflächen versch

Ergebnis: Es wurden 36 Ablationen durchgeführt. Im Vergleich zu den Leerversuchen konnte makroskopisch in allen Versuchen mit Kühlfluss um das Kühlgefäß ein Saum mit nativem Lebergewebe beobachtet werden (Kühlfläche in einem 3 mm-Sektor um das Kühlgefäß: 60 – 70% vs. 0%; p < 0,01). Die Gefäß-Applikator-Anordnung hatte einen deutlichen Effekt auf die Läsionsgeometrie, jedoch nur einen geringen Einfluss auf die Läsionsfläche (859,0 – 1072,4 mm2 vs. 958,2 mm2; p > 0,05). Es konnte eine Zunahme der Läsionsfläche im Randbereich der Läsionen im Vergleich zu den Leerversuchen beobachtet werden (bis zu 20,9%; p < 0,01)

Zusammenfassung: Die ex vivo durchgeführte Studie konnte zeigen, dass es bei der multipolaren RFA unabhängig von der Positionierung der Applikatoren in der Nähe von simulierten Lebergefäßen zu signifikanten Kühleffekten mit Beeinflussung der Läsionsgeometrie kommen kann. Es ist zu vermuten, dass durch eine Kombination der RFA mit einer temporären Okklusion der Leberperfusion dieser Kühleffekt verhindert und hiermit die Rezidivhäufigkeit gesenkt werden kann.