Z Gastroenterol 2013; 51 - K276
DOI: 10.1055/s-0033-1352916

Langzeitanalyse zur Endospongetherapie von Anastomoseninsuffizienzen nach kolorektalen Resektionen

N Heits 1, L Stapel 1, B Reichert 1, A Bernsmeier 1, C Schafmayer 1, B Schniewind 2, J Hampe 3, T Becker 1, JH Egberts 1
  • 1UKSH Campus Kiel, Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie, Kiel, Germany
  • 2Klinikum Lüneburg, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Lüneburg, Germany
  • 3UKSH Campus Kiel, Klinik für Innere Medizin I – Gastroenterologie, Hepatologie, Ernährungs- und Altersmedizin, Kiel, Germany

Anastomoseninsuffizienzen (AI) nach tiefen anterioren Rektumreresektionen (TAR) zählen zu den Majorkomplikationen mit Mortalitätsraten von 2 – 8%. Neben operativer Therapie wurde 2007 erfolgreich die wenig invasive endoskopische Vacuumtherapie (EVT) eingeführt. Diese Studie präsentiert Behandlungsergebnisse nach EVT von 31 Patienten mit AI nach TAR zwischen 2009 und 2013.

Neben den klinischen Daten wurden insbesondere die Intensivstation- und Krankenhausaufenthaltsdauer, die Mortalität, die Art der operativen Therapie, Anastomosenhöhe und -art, Komplikation bei EVT, Therapieversagen, Therapiedauer, Anzahl verwendeter Endosponges, Verlauf der laborchemische Infektparameter untersucht.

Der Krankenhausaufenthalt betrug 35,6 (± 40,8) Tage. 26% (n = 8) wurden intensivstationär behandelt. Die mittlere Intensivaufenthaltdauer war 2,6 (± 10,3) Tage. Die Anastomosenhöhe lag zwischen 2 – 14 cm ab ano. 29% hatten eine Hand-, 71% eine maschinelle Anastomose. Ein protektives Ileostoma war bei 54,8% angelegt worden. Die Mortalität betrug 9,6% (n = 3), die Komplikationsrate 35,5%. Alle 3 Patienten verstarben an den Folgen einer Sepsis. Die Nachbeobachtungszeit betrug 445 (± 330) Tage. Langzeitkomplikationen traten bei 3 Patienten auf mit Anastomoseenstenose (n = 2) und pararektalen Abszess bei Fistel im Bereich der Anastomose (n = 1). Die EVT-Dauer betrug 17,7 (± 16,3) Tage. Die Anzahl der Therapiesitzungen betrug 5,4 (± 3,6) Tage, pro Sitzung wurden 1 – 3 Endosponges eingelegt. Bei 23% (n = 7) war eine operative Revision notwendig mit Stomaanlage (n = 3), Hartmann-OP (n = 4) und gleichzeitiger Lavage (n = 3). Die Inuffizienzhöhle heilte bei 87% (n = 27) aus. Ein protektives Ileostoma hatte keinen Einfluss auf die EVT- und Krankenhausaufenthaltsdauer.

Die Endospongetherapie ist ein sicherer, wenig invasiver Therapieansatz zur Therapie der tiefen AI nach kolorektalen Resektionen. Die Möglichkeit einer programmierten endoskopischen Lavage der Perforationshöhle scheint vorteilhaft, wobei ein protektives Ileostoma bei EVT keinen Einfluss auf eine erfolgreiche Infektkontrolle und Abheilung der Insuffizienzhöhle zu haben scheint. Eine Kommunikation der Perforationshöhle zur Peritonealhöhle sollte vor Beginn der EVT ausgeschlossen werden, ggfs. sollte begleitend eine Abdominallavage durchgeführt werden.