Suchttherapie 2013; 14 - S_24_3
DOI: 10.1055/s-0033-1351497

Die Rolle von kognitiven Verzerrungen bei Alkoholabhängigkeit: Eine Frage der Interpretation!

M Woud 1, S Pawelczack 2, M Rinck 3, J Lindenmeyer 2, RW Wiers 4, ES Becker 3
  • 1Radboud University Nijmegen
  • 2salus clinic Lindow, Berlin
  • 3Behavioural Science Institute, Radboud University Nijmegen
  • 4ADAPT Lab, University of Amsterdam

Einleitung: Kognitive Modelle der Alkoholabhängigkeit postulieren, dass Verzerrungen in der Informationsverarbeitung zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Alkoholabhängigkeit beitragen. Verschiedene Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass sich die Aufmerksamkeit von Personen, die viel trinken und/oder an einer Alkoholabhängigkeit leiden, selektiv auf alkoholbezogene Reize fokussiert. Empirisch unerforscht ist jedoch die Frage, in wieweit Alkoholabhängigkeit auch im Zusammenhang mit einer selektiven Verarbeitung von mehrdeutigen Reizen steht, d.h., der Neigung, Reize, die eine potentielle alkoholische Bedeutung haben, auch als alkoholbezogen zu interpretieren.

Methode: In der hier vorgestellten Studie wurde dies untersucht. Hierbei wurden zwei Patientengruppen miteinander verglichen, nämlich eine Gruppe alkoholabhängiger Patienten mit einer Kontrollpatientengruppe. Beiden Gruppen wurden 3-zeilige Kurzgeschichten vorgelegt. Diese Geschichten hatten keine Ende und die Probanden wurden gebeten, pro Geschichte ein Ende aufzuschreiben. Alle Geschichten waren mehrdeutig, d.h., sie konnten auf verschiedene Arten interpretiert werden. Es gab 3 Sorten Geschichten: alkohol-, depressions- und panikrelevante Geschichten.

Diskussion/Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigten, dass alkoholabhängige Patienten, im Vergleich zu den Kontrollpatienten, eine alkoholbezogene Interpretationsverzerrung zeigten. Dies bedeutet, dass alkoholabhängige Patienten bei den mehrdeutigen alkoholrelevanten Geschichten öfter ein Ende generierten, das etwas mit Alkohol zu tun hatte. Darüber hinaus generierten alkoholabhängige Patienten auch bei den mehrdeutigen depressions- und panikrelevanten Geschichten öfter ein alkoholbezogenes Ende.

Schlussfolgerung: Zusammenfassend kann somit gesagt werden, dass Alkoholabhängigkeit auch durch kognitive Verzerrungen bei der Interpretation charakterisiert ist. Diese Befunde erweitern und präzisieren bestehendes Wissen über die Rolle von kognitiven Verzerrungen bei Alkoholabhängigkeit.