manuelletherapie 2013; 17(03): 97
DOI: 10.1055/s-0033-1347962
Editorial
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

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Johannes Bessler
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Publication Date:
22 July 2013 (online)

Mythos T4-Syndrom

In der Physiotherapie gibt es viele Syndrome: Das Piriformis-Syndrom, das Thoracic-outlet-Syndrom oder das T4-Syndrom sind einige bekannte „Verdächtige“. Aber präsentieren sich die Patienten in der Praxis wirklich mit diesen in den Syndrombeschreibungen genannten Symptomen, oder erinnern uns die Beschwerden nur an diese Syndromdefinitionen? Kann man diese Syndrome als häufig vorkommende klinische Muster sehen? Gibt es gar eine „Syndromschublade“ mit einem passenden Kochrezept?

Die Autoren unseres aktuellen Schwerpunktes beschäftigen sich unter anderem mit diesen Fragen in Bezug auf das T4-Syndrom, das seit den 1950/60er-Jahren unter anderem von Maitland beschrieben wurde [1].

Prof. Kevin P. Singer von der University of Western Australia in Perth hat den Großteil seiner anatomischen und physiotherapeutischen Forschung der BWS gewidmet. In seinem Einführungsartikel stellt er die Frage, ob das T4-Syndrom „beerdigt“ werden kann und die Diagnose neu definiert werden muss. Die muskuläre Situation und die Statik der Wirbelsäule scheinen dabei eine große Rolle zu spielen.

Irene Wicki aus Luzern, Mitglied der NOI-Gruppe geht das Problem in ihrem Vertiefungsartikel aus schmerzwissenschaftlicher Sicht an. Die beschriebenen Beschwerden und Mechanismen deuten auf das Vorhandensein eines funktionellen Schmerzsyndroms hin. Kann man dabei die Beschwerden im Rahmen eines Endorgan-Dysfunktionsmodells suffizient therapieren?

Wie das Management eines Patienten mit derartigen, beim T4-Syndrom beschriebenen Beschwerden in der manualtherapeutischen Praxis aussehen kann, beschreibt der Maitland-Instruktor Thomas Horre aus Hamburg. Er lässt uns dabei an seinen Clinical-Reasoning-Gedanken teilhaben.

Lassen Sie sich von unserem internationalen Autorenteam aus Westaustralien, der Zentralschweiz und Norddeutschland zu einer Überprüfung Ihrer persönlichen Meinung zum Thema T4-Syndrom hinreißen!

Zuvor möchte ich aber noch an zwei „Große“ der Physio- und Manualtherapie erinnern, die leider in den letzten Wochen von uns gegangen sind.

Am 17. April 2013 verstarb Robert „Bob“ Elvey in Westaustralien. Einige von Ihnen durften ihn vielleicht live erleben. Die von ihm entwickelten „Neural Tissue Provokation Tests“ der oberen Extremität gehören in Form der „ULNTs“ zum Standard moderner Manualtherapie.

Robin McKenzie verstarb am 13. Mai 2013 in seinem Wohnort Raumati auf der Nordinsel Neuseelands. Die von ihm entwickelte Methode der „Mechanischen Diagnostik und Therapie“ hat die Behandlung von Wirbelsäulenbeschwerden revolutioniert.

Beiden gehören unsere Anerkennung und unser Dank für ihren Beitrag am Gesamtbild der Physiotherapie und Manualtherapie! Aus diesem Grund lesen Sie in dieser Ausgabe auf die beiden Verstorbenen jeweils einen Nachruf.

Johannes Bessler

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