Radiologie up2date 2013; 13(03): 221-239
DOI: 10.1055/s-0033-1344352
Abdominelle und gastrointestinale Radiologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Bildgebende Beurteilung des Therapieansprechens unter Chemotherapie

Radiological assessment of tumor response after chemotherapy
G. Layer
,
T. Stahl
,
J. Hoffend
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Publication History

Publication Date:
01 September 2013 (online)

Zusammenfassung

Die primär an der Tumorgröße orientierte RECIST- (Response Evaluation Criteria In Solid Tumors)-Klassifikation beinhaltet Tumorherde in Zielläsionen und Nicht-Zielläsionen (Target- und Non-Target-Läsionen). RECIST 1.1 kategorisiert die international anerkannten Kriterien zur radiologischen Beurteilung des Erfolgs onkologischer Therapien bei soliden Tumoren.

Neben einer Mindestgröße sind gute und reproduzierbare Messbarkeit sowie eine adäquate Repräsentation der Gesamttumorlast Anforderungen an Target-Läsionen. Die Kategorie der Non-Target-Läsionen fasst alle weiteren Tumormanifestationen zusammen, die die Kriterien einer Target-Läsion nicht erfüllen. Sowohl Target- als auch Non-Target-Läsionen entscheiden im Verlauf über den Therapieerfolg. Dabei sollten Bildgebung und Krankheitsverlauf prinzipiell im Einklang stehen.

Funktionelle bildgebende Parameter werden derzeit in der RECIST-Klassifikation nicht berücksichtigt. Daher ist zusätzlich die Kenntnis solcher spezieller Klassifikationen unerlässlich. Solche neuen Einteilungen tragen modernen onkologischen Therapieansätzen unter Berücksichtigung aktueller tumorbiologischer Erkenntnisse zunehmend Rechnung. Die Cheson-Klassifikation oder IWG (International Working Group NHL) wird bei Lymphomen angewandt und bezieht PET (Positronenemissionstomografie) und klinische Parameter mit ein. Choi und mRECIST gelten für gastrointestinale Stromatumoren (GIST) bzw. hepatotzelluläre Karzinome (HCC) und versuchen, die Tumorneoangiogenese bzw. Tumorvitalität mit zu erfassen. PERCIST zielt auf eine reine PET-Einteilung des Therapieansprechens bei soliden Tumoren. Eine erneute Modifikation von RECIST (1.1) unter Berücksichtigung funktioneller bzw. molekularer Bildgebung ist für die radiologisch-onkologische Zukunft wünschenswert.

Abstract

RECIST 1.1 defines the internationally recognized criteria for the radiological assessment in tumor response of solid tumors. RECIST, primary depend on tumor size, categorize tumor manifestations in target and non-target lesions. In addition to a minimum size, good and reproducible measurability as well as an adequate representation of the total tumor load are requirements for the qualification as target lesions. The category of non-target lesions summarizes all other tumor manifestations that do not meet the criteria for a target lesion. Both, target and non-target lesions, decide the success of therapy. Imaging and disease should be basically in line.

Functional imaging parameters are currently not included in RECIST. The additional knowledge of such classifications is essential. Such new classification systems increasingly aware modern oncological therapy approaches taking into account current tumor biological findings.

The Cheson classification is used for lymphoma and includes PET and clinical parameters. Choi and mRECIST apply for GIST tumors or HCC and try to capture the vitality of tumor and tumor neoangiogenesis. PERCIST focused on a pure PET classification of treatment response in solid tumors. A new modification of RECIST which incorporates functional and molecular imaging, is desirable for the radiological-oncological future.

Kernaussagen
  • Überleben ist der Goldstandard zur Beurteilung des klinischen Therapieerfolgs. Surrogatparameter sind jedoch allgemein anerkannt als Endpunkte von Therapiestudien in Phase II und III. Der Therapieverlauf wird mit den Kategorien CR (complete response), PR (partial response), SD (stable disease) und PD (progressive disease) beurteilt.

  • RECIST 1.1 beinhaltet die international anerkannten Kriterien zur radiologischen Beurteilung des Erfolgs onkologischer Therapien bei soliden Tumoren. Die Klassifikation unterscheidet messbare und nicht messbare Läsionen und differenziert außerdem Target- und Non-Target-Läsionen. Alle Herde einschließlich Lymphknoten, die die Einschlusskriterien und Mindestgrößen erfüllen, können als Target-Läsionen klassifiziert werden. In der Auswahl der Target- und Non-Target-Läsionen liegt die besondere Anforderung an den Untersucher.

  • Weil RECIST 1.1 bei speziellen Erkrankungen bzw. Therapiesituationen keine ausreichend genauen Aussagen erlaubt, sind weitere Klassifikationssysteme ergänzend entwickelt worden. Dazu gehören die Cheson-Kriterien (maligne Lymphome), die mRECIST-Klassifikation (bei HCC) und die Choi-Kriterien (für GIST). So gesehen ist ein Bedarf zur Weiterentwicklung und Ergänzung von RECIST gegeben.

  • Die PET insbesondere mit 18F-Fluordesoxyglukose (18F-FDG) spielt in der Onkologie trotz massiver Einschränkungen bei der Abrechenbarkeit eine immer größere Rolle. Für die zukünftige Anwendung der PET liegt mit PERCIST eine Leitschiene vor, anhand der die PET standardisiert werden kann.