Psychiatr Prax 2013; 40(06): 313-320
DOI: 10.1055/s-0033-1343229
Psychiatriegeschichte
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

50 Jahre Rodewischer Thesen – Zu den Anfängen sozialpsychiatrischer Reformen in der DDR

50 Years Rodewisch Theses – For the Beginnings of Social-Psychiatric Reforms in East Germany (GDR)
Ekkehardt Kumbier
1   AG Philosophie und Geschichte der Psychiatrie, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Rostock
,
Kathleen Haack
1   AG Philosophie und Geschichte der Psychiatrie, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Rostock
,
Holger Steinberg
2   Archiv für Leipziger Psychiatriegeschichte, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Leipzig
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Publication History

Publication Date:
18 July 2013 (online)

Zusammenfassung

Die Rodewischer Thesen von 1963 zeigen die Bemühungen innerhalb der ostdeutschen Psychiatrie, sozialpsychiatrische Reformen umsetzen zu wollen. In Erinnerung an deren Abfassung vor 50 Jahren soll deren Entstehung und Verwirklichung beleuchtet werden. Eine nachhaltige Wirkung auf die psychiatrische Versorgung in der gesamten DDR blieb aus. Lediglich auf regionaler Ebene konnten einige Forderungen der Rodewischer Thesen durchgesetzt werden. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Eine öffentliche Diskussion der Missstände in der psychiatrischen Versorgung, wie dies in der BRD stattfand, war aufgrund der politischen Umstände kaum möglich. Es fehlte eine breite gesellschaftliche Basis wie in den westlichen Demokratien. Die Psychiatrische Klinik der Universität Leipzig ist ein Beispiel dafür, wie Kernpunkte verwirklicht wurden, auch wenn deren Mitarbeiter nicht zu den Protagonisten der Rodewischer Thesen gehörten und weitgehend selbstständig agierten.

Abstract

The so-called Rodewisch Theses of 1963 demonstrate East German psychiatry's attempts to implement social-psychiatric reforms. To mark their 50th anniversary, this article analyses their emergence, drafting and implementation. It has been known that key requirements could only be fulfilled on a regional basis, the Leipzig University Department of Psychiatry being an outstanding example, although its staff worked rather autonomously of the Rodewisch Theses. The reasons for the different degree of success of these developments in individual areas are manifold, key reasons being the lack of stark political support and of opportunity to discuss shortcomings in mental health care, as in Western Germany, due to political circumstances in particular. There was no strong social basis and support as in Western democracies.