Diabetologie und Stoffwechsel 2013; 8 - P284
DOI: 10.1055/s-0033-1341944

Nachhaltige Gewichtsreduktion durch Lebensstiländerung

HP Filz 1, D Nord-Rüdiger 1, U Beck 1, T Quiring 1
  • 1Eleonoren-Klinik, Lindenfels-Winterkasten, Germany

Fragestellung: Nachhaltigkeit ist das Problem der Adipositastherapie. Ziel der Untersuchung war die Erfassung dauerhaft erfolgreicher Verhaltensumstellungen nach stationärer Adipositasbehandlung.

Methodik: In einer retrospektiven Unt. wurden 2010 die Kohorten 2004 – 2006 der Adipositas-Programme der Eleonoren-Klinik (AdiP-L: BMI> 35 kg/m2 und AdiP-XXL: BMI> 45 kg/m2, je als Etappenheilverfahren in geschl. Gruppen bis zu 7 Wo. über 2J., sowie die Teilnehmer des Regelprogramms (AdiP-R) über 3 – 4 Wo. in offenen Gruppen) befragt. Die Rücksender (n = 158; 38,3%) waren im Mittel 44,4 Jahre alt, zu 66% Männer und zu 34% Frauen. 22 Teilnehmer (bariatr. OP, erneute stat. Reha) wurden nicht in die Statistik mit einbezogen. Es erfolgte ein Vergleich der nachhaltig erfolgreichen Teilnehmer (ET) mit den nicht erfolgreichen (NET).

Ergebnisse: 46% der Rücksender hatten eine dauerhafte Gewichtsred. von > 5%. In der stationären Phase wiesen beide Gruppen vergleichbare Abnahmeerfolge auf (-7,8/- 8,0 kg). Den ET gelang dann in den Folgejahren eine weitere Red. von im Mittel 8,6 kg. Die NET erreichten wieder ihr Ausgangsgewicht + 0,9 kg. ET gaben signifikant häufiger an, jetzt reg. sportlich aktiver zu sein. Bei den NET gab es hier kaum Veränderungen. Die ET setzten ein bewusst gesteuertes Essverhalten häufiger um. Impulsives auf emotionale Regulation abzielendes Essverhalten trat seltener auf. Signale wie Hunger und Sättigung wurden häufiger beachtet. Sie gaben an fettärmer, gesunder, seltener nebenbei und weniger Süßes zu essen, die Menge an fast food reduziert zu haben und seltener „Frustessen“ zu sich zu nehmen. Sie berichteten über ein häufigeres Sättigungsgefühl, genussvolleres Essen und häufiger den „Inneren Schweinehund“ überwinden zu können. Im Gegensatz zu den NET zeigten die ET einen Umbau des Lebensstils (weniger Zeit vor dem Fernseher und PC, regelmäßigerer Schlaf, aktivere Freizeitgestaltung, regelmäßigere Entspannung, gezielterer Stressabbau). Das soziale Verhalten hinsichtlich der Akzeptanz von Fremdkontrolle wie Überreden lassen zum Essen/Trinken unterschied sich kaum. Soziale Aktivitäten mit anderen gaben ET häufiger an. Bei den adipositastypischen Problemen gaben beide Gruppen an, langsame Gewichtsreduktion, Gewichtsschwankungen und Rückfälle besser zu akzeptieren, mehr Lust auf Bewegung zu haben und Selbstkontrolle wichtig zu nehmen. Die ET schätzten ihre Handlungsmöglichkeiten bei Problembewältigung aber besser ein. ET erlebten sich liebenswerter, nahmen ihre eigenen Stärken häufiger wahr und waren zufriedener mit ihrem Aussehen. Antriebs-, Interessenlosigkeit und Niedergeschlagenheit seien seltener.

Schlussfolgerung: Zwischen den ET und NET zeigten sich deutliche Unterschiede im selbstverantwortlichen Umbau des Lebensstils mit umfassenden Änderungen des Bewegungs-, Ernährungs- und Gesundheitsverhaltens. Die Nachhaltigkeit der Lebensstiländerung scheint durch einen Benefit an Lebensqualität und Selbstakzeptanz gestützt worden zu sein.