Diabetologie und Stoffwechsel 2013; 8 - P224
DOI: 10.1055/s-0033-1341884

Die Therapie der Hypertonie, Dyslipidämie und Plättchenaggregation bei Menschen mit Typ 2 Diabetes in Deutschland

L Merker 1, B Gallwitz 2, B Waldeck 3, K Schoene 3
  • 1Diabetes- und Nierenzentrum Dormagen, Dormagen, Germany
  • 2Universität Ulm, Tübingen, Germany
  • 3Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Ingelheim, Germany

Fragestellung: Um Daten zur Prävalenz der Nierenerkrankung bei Typ 2 Diabetes zu erhalten, führten wir eine prospektive Querschnittsuntersuchung an 2541 Menschen mit Diabetes Typ 2 aus 245 repräsentativ ausgewählten Hausarztpraxen durch. Dabei wurden auch Daten zur Verordnung von Antihypertensiva, Lipidsenkern und Plättchenaggregationshemmern in verschiedenen Altersgruppen erhoben.

Methodik: Mittels Fragebogen wurden im Rahmen dieser Studie die aktuelle Behandlung der Hypertonie, der Dyslipidämie sowie der Blutgerinnung jedes eingeschlossenen Patienten erhoben, ebenso die vom Arzt diagnostizierten Begleiterkrankungen des Diabetes Typ 2. Die Studie wurde zwischen Februar und Juli 2011 nach GCP-Richtlinien durchgeführt, ein positives Ethikvotum lag vor. Die statistischen Analysen waren deskriptiv.

Ergebnisse: Von den Untersuchten waren 35% zwischen 71 und 80 Jahre und 10% zwischen 81 und 100 Jahre alt. 83% aller Patienten hatten eine Hypertonie, bei 60% war eine Fettstoffwechselstörung angegeben, bei 41% lag eine Nephropathie vor. 45% der über 70-jährigen hatte eine GFR < 60 ml/min/1,73 m2. Die überwiegende Anzahl der Patienten mit Diabetes wurde mit Antihypertensiva (zumeist in Form von Monopräparaten) therapiert, jedoch nur etwa 40% mit Antithrombotika und weniger als die Hälfte mit Lipidtherapeutika. Die am häufigsten verordneten Antihypertensiva waren Diuretika (auch in Kombinationspräparaten), gefolgt von Betablockern und ACE-Hemmern. Bei Antithrombotika standen die Plättchenaggregationshemmer an erster Stelle, bei den Lipidtherapeutika die Statine. Die Verordnungshäufigkeit stieg allgemein mit zunehmendem Alter an. Ältere Menschen erhielten anteilig mehr Diuretika als jüngere.

Schlussfolgerungen: Unsere Untersuchung zeigt, dass bei Antihypertensiva Monopräparate häufiger verordnet werden als Kombinationspräparate, was möglicherweise die Compliance der Patienten beeinträchtigen kann. Auch ist die Anzahl der Antihypertensiva, insbesondere auch der Diuretikaanteil, bei Menschen über 80 Jahren bemerkenswert, hier besteht die Gefahr von auch ernsthaften Neben- und Wechselwirkungen. Betablocker werden sehr häufig eingesetzt, obwohl sie nach den Leitlinien keine Antihypertensiva der ersten Ordnung mehr darstellen. Dass nur etwa 40% der Patienten mit Diabetes mit Antithrombotika behandelt werden, könnte an der unterschätzten Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen liegen. Dass angesichts der Dyslipidämie-Prävalenz nicht einmal 50% der Patienten mit Diabetes mit Lipidtherapeuika behandelt werden, scheint nicht leitliniengerecht zu sein. Hier ist offensichtlich Bedarf für Aufklärung, dem die Fachgesellschaften in einer für den Hausarzt gut umsetzbaren Methodik nachkommen sollten. Angesichts des Anteils betagter Menschen ist die Forderung nach Empfehlungen gerade für diese Zielgruppe zu unterstützen.