Diabetologie und Stoffwechsel 2013; 8 - P218
DOI: 10.1055/s-0033-1341878

Die Gefäßfunktion von Patienten mit Metabolischem Syndrom wird durch Telmisartan insbesondere postprandial verbessert – ein relevanter Therapieansatz für eine ernährungsbedingte Erkrankung

H von Bibra 1, A Pfützner 2, T Siegmund 1, PM Schumm-Draeger 1
  • 1Städt. Klinikum München Bogenhausen, München, Germany
  • 2IKFE Institut, Mainz, Germany

Fragestellung: Therapiestrategien für ernährungsbedingte Krankheiten wie das Metabolische Syndrom (MS) sollten für ihre Effektivität insbesondere in der Phase größter metabolischer Belastung, also postprandial (pp), überprüft werden. Da der Angiotensin Rezeptor Antagonist Telmisartan (T) im Gegensatz zu Ca-Antagonisten pleiotrope Effekte auf den Stoffwechsel gezeigt hat, untersuchten wir die Hypothese, ob T aber nicht Amlodipin (A) bei Patienten mit MS und leicht- bis mittelgradigem Hypertonus pp eine Optimierung der gestörten Gefäßfunktion und Myokardfunktion bewirkt.

Methodik: In dieser randomisierten cross-over Studie wurden 19 herzgesunde MS Patienten, davon 16 mit Typ 2 Diabetes, (Alter 52 ± 10 Jahre, BMI 36 ± 6 kg/m2) jeweils vor und nach 3-monatiger Behandlung mit T (mittlere Dosis 67 mg/die) bzw. A (7 mg/die) nüchtern und 2h nach einer Testmahlzeit (4BE) untersucht. Beobachtungsparameter waren die zentrale (Art. carotis com) und periphere (Art. brach.) Gefäßfunktion (Elastizitätsmodulus ε, Steifigkeitsindex ß und Pulswellengeschwindigkeit PW), die Herzfunktion (systolische (S') und diastolische (E') Myokardgeschwindigkeit) sowie Stoffwechselparameter (Glukose, Nitrotyrosin, Insulin).

Ergebnisse: Mit T sank der Blutdruck systolisch um 10 ± 12 (p < 0,002) vs. 5 ± 10 mmHg (p < 0,04) mit A und diastolisch um 9 ± 11 (p < 0,003) vs. 0 ± 9 mmHg (ns) mit A (T vs. A p < 0,05) nüchtern aber pp nur mit T systolisch und diastolisch (p < 0,005, T vs. A p < 0,05). Ausschließlich pp sanken mit T aber nicht mit A das Elastizitätsmodul ε (146 ± 55 zu 117 ± 34 kPa, p < 0,002) und die PW (7,2 ± 1,4 zu 6,5 ± 0,9 m/s, p < 0,001) der zentralen Arterienwand. Beide Steifigkeitsparameter verbesserten sich auch peripher pp und zusätzlich nüchtern (p < 0,02). Mit T aber nicht mit A verbesserte sich E' nüchtern (von 9,4 ± 1,8 auf 10,1 ± 1,9 cm/s, p < 0,04) und pp (p < 0,01) parallel zu S' (p < 0,001 und p < 0,03). Mit T bestand ein Trend zu reduziertem pp Blutzuckeranstieg (von 22 ± 43 auf 4 ± 36 mg/dl, p < 0,080) vs. A (von 28 ± 48 auf 16 ± 49 mg/dl, ns). Auch eine Reduktion des pp Seruminsulinanstieges wurde nur unter T beobachtet (p < 0,024). Signifikante Korrelationen fanden sich nur für T für die Therapie bedingten Veränderungen des systolischen Blutdruckes pp einerseits mit den Veränderungen von ε pp bzw. PW pp (p < 0,05) und andererseits mit den Veränderungen von Nitrotyrosin pp (p < 0,003) bzw. von Insulin nüchtern (p < 0,030) und pp (p < 0,08).

Schlussfolgerungen: Bei Patienten mit metabolischem Syndrom und leicht bis mittelgradigem Hypertonus wurde die Gefäßfunktion unter Monotherapie mit Telmisartan, aber nicht mit Amlodipin, vor allem postprandial gebessert bei vergleichbarer Reduktion des systolischen Blutdrucks nüchtern. Diese Verbesserung des kardiovaskulären Risikos auch in Form verbesserter Herzfunktion, verbesserter Insulinsensitivität und reduziertem oxidativen Stress beruht wahrscheinlich auf pleiotropen Verbesserungen des Stoffwechsels und sollte bei Therapieentscheidungen berücksichtigt werden.