Diabetologie und Stoffwechsel 2013; 8 - P139
DOI: 10.1055/s-0033-1341799

Telemedizinisches Coaching zur Gewichtsreduktion – eine randomisiert-kontrollierte Studie

K Kempf 1, M Stichert 2, 3, G Fischer 3, E Boschem 4, J Könner 2, S Martin 1
  • 1Westdeutsches Diabetes- und Gesundheitszentrum, Düsseldorf, Germany
  • 2Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, Düsseldorf, Germany
  • 3Ärztekammer Nordrhein, Düsseldorf, Germany
  • 4Eickhoff GmbH, Bochum, Germany

Fragestellung: Ansätze zur Lebensstiländerung scheitern oft aufgrund fehlender oder nachlassender Motivation. Telemedizin und Telefoncoaching haben das Potential Lebensstiländerungen und Gewichtsreduktion zu unterstützen. Daher war es das Ziel unserer 12-wöchigen randomisiert-kontrollierten Studie den Effekt von Telemedizin mit und ohne Telefoncoaching im Vergleich zu einer Kontrollgruppe auf die Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Teilnehmern zu untersuchen.

Methodik: Im betriebsmedizinischen Umfeld wurden übergewichtige Angestellte (n = 180) mit einem Body Mass Index (BMI) > 27 kg/m2 (45% Männer, mittleres Alter 45 ± 10 Jahre) in drei parallele Gruppen randomisiert. Teilnehmer der telemedizinischen (TM) und der telemedizinischen Coaching (TMC)-Gruppe bekamen eine elektronische Waage und einen Schrittzähler, die die gemessenen Werte automatisch in ein personalisiertes online Portal transferierten, das vom Teilnehmer und den Coaches im Studienzentrum eingesehen werden konnte. Die Teilnehmer der TMC-Gruppe wurden wöchentlich von den Coaches angerufen, um die dokumentierten Daten zu besprechen und Zielvereinbarungen zu treffen. Die Kontrollgruppe blieb in der Routineversorgung. Mittels Wilcoxon Signed Rank Test wurde untersucht, ob die gemessenen Differenzen (zu Beginn vs. nach 12 Wochen) signifikant unterschiedlich von 0 waren und mittels ANOVA-Analyse wurden Intergruppenunterschiede bestimmt.

Ergebnisse: 93% der Teilnehmer in der TMC, 90% der TM und 79% der Kontrollgruppe durchliefen die 12-wöchige Studie. Die Anfangswerte der drei Gruppen unterschieden sich nicht signifikant. Die Teilnehmer in der TMC- (-3,7 ± 4,7 kg, p < 0,0001) und in der TM-Gruppe (-2,5 ± 4,1 kg; p = 0,0003) konnten signifikant Gewicht reduzieren, während der Gewichtsverlust in der Kontrollgruppe (-0,9 ± 2,9 kg, p = 0,1) marginal war. Im direkten Vergleich zur Kontrollgruppe war jedoch nur die Gewichtsreduktion in der TMC-Gruppe statistisch signifikant (p < 0,001). Darüber hinaus kam es in der TMC-Gruppe auch zu einer signifikanten Reduktion von BMI, Taillenumfang, Gesamt-Cholesterin, Triglyzeriden, systolischem und diastolischem Blutdruck, während sich in der TM-Gruppe nur die Triglyzeride und der Blutdruck signifikant verbesserten.

Schlussfolgerungen: Telemedizin ist geeignet übergewichtige Personen zu einer Lebensstiländerung zu motivieren, wobei in Kombination mit Telefoncoaching die erzielte Gewichtsreduktion bzw. Verbesserung kardiometabolischer Risikofaktoren noch größer ist.