Diabetologie und Stoffwechsel 2013; 8 - P124
DOI: 10.1055/s-0033-1341784

Inzidenz schwerer und nicht schwerer Hypoglykämien bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 unter oraler Diabetestherapie in der Primärversorgung

M Schink 1, H Albach 1, R Brose 1, T Heller 1, N Müller 1, U Zitterbart 2, S Brinkmann 2, K Schmidt 2, K Gneist 3, G Krause 4, G Wolf 1, UA Müller 1
  • 1Universitätsklinikum Jena, Innere Medizin III, Jena, Germany
  • 2Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin, Kranichfeld, Germany
  • 3Facharzt für Allgemeinmedizin, Jena, Germany
  • 4Fachärztin für Allgemeinmedizin, Jena, Germany

Fragestellung: Aufgrund des insulinotropen Effekts können Sulfonylharnstoffe und Glinide Hypoglykämien verursachen. Für das Auftreten von nicht schweren Hypoglykämien bei OAD-Medikation gibt es kaum Daten. Wir untersuchten die Inzidenz schwerer und nicht schwerer Hypoglykämien bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 unter oralen Antidiabetika (OAD) in der Primärversorgung.

Methodik: In einem strukturierten Interview wurden schwere und nicht schwere Unterzuckerungen bei 116 Patienten mit Typ 2 Diabetes (Alter 68,6J, Diabetesdauer 10,7J, HbA1c 7,3% (56 mmol/mol), BMI 30,7 kg/m2, 50% Frauen) in 3 Thüringer Hausarztpraxen im Zeitraum von 6 Wochen erfragt. Nicht schwere Hypoglykämien wurden definiert als Zustand mit typischen Symptomen einer Hypoglykämie und rascher Besserung nach Kohlenhydratzufuhr oder einem Blutglukosemesswert unter 2,2 mmol/l auch ohne Symptome. Eine schwere Hypoglykämie wurde definiert als Notwendigkeit von i.v. Glukosegabe oder Glukagoninjektion. Das Auftreten von Unterzuckerungen wurde anhand der Einnahme von insulinotropen (Sulfonylharnstoffe, Glinide) und nicht-insulinotropen OAD (Biguanide, DPP4, Glp1 Analoga, α-Glucosidase-Hemmer) analysiert.

Ergebnisse: Nicht insulinotrope OAD als Mono- oder Kombinationstherapie wurden von n = 93 (80,2%; Biguanide 64,7%, DPP-4-Hemmer 2,6% Kombinationstherapie 13%) eingenommen: Alter 67,7J, Diabetesdauer 9,4J, HbA1c 7,2% (55,2mmol/mol), BMI 30,7 kg/m2, 46,2% Frauen. Insulinotrope OAD als Mono- oder Kombinationstherapie wurden von n = 23 (20%; Sulfonylharnstoffe 5,2%, Glinide 1,7%, Kombinationstherapie 13%) eingenommen: Alter 72,4J, Diabetesdauer 7,8J, HbA1c 7,4% (57,4mmol/mol), BMI 30,5 kg/m2, 65,2% Frauen. Kein Patient hatte eine schwere Hypoglykämie, 9,8% (n = 12) hatten 134 nicht schwere Hypoglykämien in den letzten 12 Monaten. In der Gruppe mit insulinotropen OAD traten bei 30,4% (n = 7) der Patienten 16,9 nicht schwere Hypoglykämien pro Quartal auf. Die mittlere Häufigkeit von Hypoglykämien pro Woche pro Patient war 0,06(± 0,19). In der Gruppe mit nicht insulinotropen OAD traten bei 5,4% (n = 5) 16,4 nicht schwere Hypoglykämien pro Quartal auf. Im Mittel traten 0,01(± 0,10) Hypoglykämien/Pat/Woche auf. Der Unterschied in den Häufigkeiten der leichten Hypoglykämien zwischen insulinotroper und nicht insulinotroper OAD-Medikation war signifikant (p = 0,046)

Schlussfolgerung: Nicht schwere Unterzuckerungen sind ein seltenes Ereignis bei Therapie mit insulinotropen OAD. Von 100 Patienten auf Primärversorgungsebene haben 6 Patienten eine leichte Hypoglykämie pro Woche. Schwere Hypoglykämien kamen bei den Patienten im gesamten Behandlungszeitraum (4,3J ± 3,5) gar nicht vor. Insgesamt zeigen diese Daten, dass das Risiko einer Hypoglykämie (leicht und schwer) durch insulinotrope OAD bei gut geschulten Patienten sehr gering ist.