Diabetologie und Stoffwechsel 2013; 8 - P111
DOI: 10.1055/s-0033-1341771

Könnte Insulin über die Beeinflussung von Matrixmetalloproteinasen einen proatherogenen Effekt ausüben?

A Wressnegger 1, G Pesau 1, K Nagl 1, F Obendorf 1, C Hoebaus 1, R Koppensteiner 1, G Schernthaner 2, GH Schernthaner 1
  • 1Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Innere Medizin II, Wien, Austria
  • 2Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien, Austria

Nachwievor sind kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) die wichtigste Todesursache bei Diabetikern. Zusätzlich verläuft der Prozess der Atherosklerose bei Diabetikern aggressiver und schneller ab. Tiermodellstudien und humane in vitro Studien zeigten, dass nicht nur Hyperglykämie, sondern auch endogene Insulinspiegel und exogene Insulingabe Matrixmetalloproteinasen (MMPs), die an der Plaque-Entstehung und -Ruptur beteiligt sind, beeinflussen. Das Ziel unserer Studie war es, herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen Insulin- und MMP-Blutspiegeln in Diabetespatienten mit Atherosklerose besteht.

Es wurden 109 Patienten mit Typ 2 Diabetes und generalisierter, manifester Atherosklerose eingeschlossen: 29 weiblich, Alter: 71,4 ± 9,0 Jahre, Diabetesdauer: 13,2 ± 10,7 Jahre, Nüchternglukose: 138 ± 36 mg/dl, Nüchtern-Insulin: 18 ± 15µU/ml, Nüchtern-C-Peptid: 3,7 ± 2,7 ng/ml, HbA1c: 6,6 ± 0,9rel.%. Patienten mit einem Fontaine-oder NYHA -Stadium > 2 wurden von der Studie ausgeschlossen, um die Kohorte zu homogenisieren. MMP-8 und MMP-9 wurden mittels multiplex bead array gemessen. Um eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit der Plaqueruptur treffen zu können, wurde auch der natürliche Inhibitor, tissue inhibitor of metalloproteinases-1 (TIMP-1), mittels ELISA bestimmt. An statistischen Verfahren wurden T-test, sowie univariate und multivariate Regression angewendet.

Wir berichten erstmalig einen linearen Zusammenhang zwischen dem Insulin- (kombiniert endogen und exogen!) und MMP-8 Serumspiegel (r = 0,220, p = 0,026). In einem nächsten Schritt teilten wir die Patienten in solche mit exogener Insulintherapie (= Insulin supplementation therapy, IST, n = 26) und solche ohne (n = 83) auf. Überraschenderweise verschwand in der Gruppe ohne IST jeglicher Zusammenhang mit MMP-8 (r = 0,045, p = 0,696), während dieser in der Gruppe mit IST bedeutend stärker wurde (r = 0,599, p = 0,002). Zusätzlich wurde in dieser Gruppe auch eine lineare Assoziation mit MMP-9 (r = 0,614, p = 0,001), MMP-8/TIMP-1 (r = 0,498, p = 0,013) und MMP-9/TIMP-1 (r = 0,432, p = 0,035) gefunden. Im multivariaten Modell stellte sich Insulin als jener Faktor heraus, der in der Gruppe mit IST die Varianz sowohl von MMP-8 als auch MMP-9 am besten vorhersagen konnte (≥25%). Darüber hinaus zeigte sich auch ein signifikanter Zusammenhang zwischen C-Peptid (endogen!) und MMP-9 in der Gruppe mit IST. Die beiden Gruppen unterschieden sich weder signifikant in der Häufigkeit kardiovaskulärer Begleiterkrankungen, noch im Fontaine-Stadium, noch in der der Einnahme oraler Antidiabetika, wobei zum Zeitpunkt der Datenanalyse dies retrospektive/cross-sectionale Analysen waren.

Angesicht der Tatsache, dass diese beiden MMPs bereits mit verschiedenen Manifestationen kardiovaskulärer Erkrankungen in Verbindung gebracht wurden, und eine wichtige Rolle bei der Ruptur von Plaques spielen sollen, deutet das Ergebnis unserer Pilotstudie auf ein mögliches proatherogenes Risiko von endogenem aber vor allem exogenem Insulin bei Patienten mit Typ 2 Diabetes hin.