Diabetologie und Stoffwechsel 2013; 8 - FV15
DOI: 10.1055/s-0033-1341675

Glinidtherapie bei HNF1A-MODY (MODY3): Multizentrische Analyse (DPV-WISS) über Wirksamkeit und Komplikationsrate bei 133 Patienten mit HNF1A-MODY

K Raile 1, K Konrad 2, A Thon 3, J Grulich-Henn 4, J Woelfle 5, E Schober 6, T Meissner 7, R Holl 8
  • 1Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Germany
  • 2Universitätsklinikum Essen, Essen, Germany
  • 3MHH-Hannover, Hannover, Germany
  • 4Universitätskinderklinik Heidelberg, Heidelberg, Germany
  • 5Universitätskinderklinik Bonn, Bonn, Germany
  • 6Universitätskinderklinik Wien, Wien, Austria
  • 7Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Germany
  • 8Universitaet Ulm, Ulm, Germany

Fragestellung: HNF1A-MODY wird durch heterozygote Mutationen des Transkriptionsfaktors HNF1A verursacht. HNF1A-MODY ist die zweithäufigste, spezifische MODY-Diagnose (nach GCK-MODY) bei Erkrankungsbeginn < 18 Jahre. Nach gestellter, molekulargenetischer Diagnose empfehlen aktuelle Guidelines (ISPAD) einen Umstellungsversuch auf Sulfonylharnstoffe (Glibenclamid oder Gliclazid). Probleme der Sulfonylharnstofftherapie sind postprandiale Hyperglykämien, verbunden mit späten (> 2h postprandial) Hypoglykämien. Bisher zeigt eine pharmakokinetische Studie bei Gabe von Nateglinid versus Glibenclamid bei adulten HNF1A-MODY-Patienten weniger postprandiale Hyperglykämien und zugleich fehlende, späte Hypoglykämien. Um eine bestmögliche Therapiempfehlung für Kinder und Jugendliche mit HNF1A-MODY aussprechen zu können, wollen wir anhand der in DPV erfassten HNF1A-Patienten eine Behandlung mit Gliniden (Repaglinid/Novonorm® oder Nateglinid/Starlix®) mit den etablierten Therapien (Lifestyle, Insulin oder Sulfonylharnstoffe) vergleichen.

Methodik: Wir analysierten 137 Patienten mit molekulargenetisch bestätigtem HNF1A-MODY bezüglich baseline Charakteristika (Geschlecht, Alter bei Diabetesbeginn, BMI), Stoffwechselkontrolle und Komplikationen (HbA1c, schwere Hypoglykämien, Mikroalbuminurie, Retinopathie, Dyslipidämie, Hypertonie) sowie Diabetestherapie (Lifestyle, Insulin, Glinide, Metformin, Sulfonylharnstoffe; allein oder in Kombination). Die Glinidgruppe musste zum Zeitpunkt der DPV-Analyse (9/2012) mit Gliniden allein oder in Kombination mit anderen Therapien behandelt werden.

Ergebnisse: Von den insgesamt 137 HNF1A-MODY Patienten wurden 27 (19%) mit Gliniden behandelt, davon 10 (37%) als Monotherapie, 8 (30%) in Kombination mit Insulin, 6 (22%) in Kombination mit SHs und 3 (11%) mit Metformin. Die Therapie der 110 Patienten der Vergleichsgruppe war bei 30% allein Lifestyle-Intervention, bei 42% Insulin-Monotherapie, bei 13,6% nur orale Antidiabetika (OADs) Monotherapie, bei 10% Kombinationstherapie Insulin + OADs und bei den verbleibenden 4,6% eine Kombinationstherapie verschiedener OADs. Der deutlichste Unterschied in abhängigkeit von einer Glinidtherapie bestand in der Rate schwerer Hypoglykämien, die bei Glinidtherapie nicht auftraten (N = 0) und bei den nicht-Glinid-behandelten deutlich höher lag (Hypos mit Fremdhilfe: 6,2/100 Patientenjahre, Hypos mit Krampfanfall oder Koma 1,1/100). Aufgrund der geringen Fallzahl erreichte dieser Unterschied kein Signifikanzniveau (p = 0,18). Die Parameter HbA1c, Mikroalbuminurie, Dyslipidämie, Blutdruck und Übergewicht waren in beiden Gruppen vergleichbar.

Schlussfolgerungen: Unter Therapie mit Gliniden (Repaglinid, Nateglinid) traten bei jugendlichen Patienten mit HNF1A-MODY bei vergleichbarem HbA1c keine schweren Hypoglykämien auf. Damit stellen Glinide eine sehr gute Therapieoption für HNF1A-MODY dar, vor allem, wenn verstärkte Hypoglykämien unter anderen Therapien (Insulin, SHs) auftreten.