Der Klinikarzt 2013; 42(1): 20-26
DOI: 10.1055/s-0033-1336822
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Schlaf bei Herzerkrankungen – Interaktion zwischen schlafbezogenen Atmungsstörungen und dem kardiovaskulären System

Sleep and cardiac symptoms – Interaction between sleep-related breathing disorders and cardiac diseases
Nikolaus Büchner
1  Medizinische Universitätsklinik der Ruhr Universität Bochum am Marienhospital Herne
,
Bernd Sanner
2  Medizinische Klinik, Agaplesion Bethesda Krankenhaus, Wuppertal
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Publication Date:
08 February 2013 (online)

Schlafstörungen kommen oft begleitend oder als Symptom bei Patienten mit unterschiedlichen Herzerkrankungen vor. Sie werden in ihrer klinischen Bedeutung leider oftmals gegenüber den übrigen kardialen Symptomen vernachlässigt. Insomniebeschwerden treten jedoch bei mindestens jedem zweiten Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz auf. Sie führen hier zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität und der funktionellen Leistungsfähigkeit, zudem beeinträchtigen sie die kardiovaskuläre Prognose. Obstruktive und zentrale schlafbezogene Atmungsstörungen kommen ebenfalls bei mindestens jedem zweiten Patienten mit systolischer, aber auch mit diastolischer chronischer Herzinsuffizienz vor. Sie können einerseits durch verschiedene Pathomechanismen als Symptome der chronischen Herzinsuffizienz vorkommen; dies gilt insbesondere für Cheyne-Stokes-Atmung. Andererseits können sowohl die obstruktive Schlafapnoe als auch die Cheyne-Stokes-Atmung und die zentrale Schlafapnoe die Entwicklung und Progression einer Herzinsuffizienz fördern und zu einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz führen. Im Rahmen der kardiovaskulären Risikostratifizierung und aufgrund des teilweise erheblichen symptomatischen und prognostischen Benefits einer Therapie obstruktiver und zentraler schlafbezogener Atmungsstörungen sollten daher alle herzinsuffizienten Patienten auf solche schlafbezogenen Atmungsstörungen gescreent werden. Hierzu sollte, da die Beschwerdesymptomatik oft nicht wegweisend ist, primär eine kardiorespiratorische Polygrafie und bei pathologischem Ergebnis eine Polysomnografie im Schlaflabor erfolgen. Überwiegt eine obstruktive Schlafapnoe, sollte zunächst ein CPAP-Versuch (CPAP = kontinuierliche positive Überdruckbeatmung) unternommen werden, bei zentralen Atmungsstörungen wird gegebenenfalls eine bilevel-Therapie (BiPAP-ST) bevorzugt, aber eine adaptive Servoventilation empfohlen.

Insomnia may either accompany cardiac diseases as an unrelated disorder or may be a cardiac symptom itself. Unfortunately, sleep disturbances in the context of cardiac symptoms often remain neglected. However, insomnia symptoms occur in at least half of the patients with chronic heart failure and compromise the quality of life, functional capacity, and cardiovascular prognosis. On the other hand, obstructive as well as central sleep-related breathing disorders are observed again in no less than 50 % of the patients with systolic or diastolic chronic heart failure. In this context, Cheyne-Stokes respiration, obstructive, and central sleep apnea may be both a symptom and a promoter of the heart disease as well as a predictor of cardiovascular mortality. Considering the significant benefit from a specific therapy of obstructive and central sleep apnea syndromes, all patients with heart failure should be screened for sleep-related breathing disorders using cardiorespiratory polygraphy with subsequent polysomnography as needed. The treatment of choice in patients with obstructive sleep apnea is CPAP (continuous positive airway pressure). In central sleep-related breathing disorders bilevel treatment (BiPAP-ST) or adaptive servoventilation (ASV) is often required.