Z Gastroenterol 2013; 51(10): 1157-1164
DOI: 10.1055/s-0033-1335081
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss von Weiterbildungsmaßnahmen auf die leitliniengerechten Nachsorgeempfehlungen nach Polypektomie aus dem Dickdarm in einem Universitätsklinikum

Impact of Implementation Strategies on Adherence Rates to Colorectal Cancer (CRC) Guidelines after Polypectomy in a University Hospital
B. Zimmer
1  Klinik für Innere Medizin IV, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität
,
J. Felber
1  Klinik für Innere Medizin IV, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität
,
M. Lehmann
1  Klinik für Innere Medizin IV, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität
,
K. Brenk-Franz
2  Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität
,
I. Petersen
3  Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität
,
A. Stallmach
1  Klinik für Innere Medizin IV, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

07 November 2012

11 February 2013

Publication Date:
11 October 2013 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Das kolorektale Karzinom (KRK) ist der zweithäufigste maligne Tumor in Deutschland. Der Stellenwert von Vorsorgekoloskopien einschließlich gleichzeitiger Polypektomie hinsichtlich der Inzidenzsenkung des KRK ist klar belegt und wurde daher in den Leitlinien der DGVS verankert. Das Wissen über die Inhalte dieser Leitlinie und die Befolgung der Empfehlungen variieren bei Ärzten stark.

Methode: In einer Längsschnittstudie mit einem Prä-Post-Design wurde die Umsetzung der Leitlinienempfehlungen zur Nachsorge nach Koloskopie mit Polypektomie bei Assistenzärzten des Universitätsklinikums Jena untersucht. Ziel war die Verbesserung der Leitlinienkonformität durch Implementierung verschiedener auf Schulungsprogrammen basierenden Interventionsmaßnahmen. Diese wurde anhand der in den stationären Entlassungsbriefen gegebenen Empfehlungen bez. des Koloskopiekontrollintervalls nach Polypektomie aus dem Kolon beurteilt. Zur Evaluation des Erfolgs der Implementierungsmaßnahmen wurden die formulierten Empfehlungen vor (n = 111) und nach Durchführung der Implementierungsmaßnahmen (n = 85) verglichen. Außerdem wurden die möglichen Faktoren, die Einfluss auf das Empfehlungsverhalten der Assistenzärzte haben, analysiert.

Ergebnisse: Vor den Implementierungsmaßnahmen entsprachen insgesamt 47 % der in Entlassungsbriefen formulierten Empfehlungen der Leitlinie. Danach konnte eine nicht signifikante Zunahme auf 53 % registriert werden. Die oberärztliche Korrektur der Entlassungsbriefe führte zu einer weiteren Verbesserung auf 69 %. Sowohl der Ausbildungsstand der Assistenzärzte als auch deren Klinikzugehörigkeit hatten keinen Einfluss auf die Empfehlungsqualität. Der histologische Befund, insbesondere die Angabe, ob der Polyp vollständig oder unvollständig abgetragen wurde, beeinflusste die Güte der ausgesprochenen Empfehlungen. Die Polypengröße, aber nicht deren Zahl, hatte einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Qualität der Empfehlungen.

Schlussfolgerung: Insgesamt war die Adhärenz zur Leitlinie niedrig. Mögliche Ursachen für eine unzureichende Verbesserung der Adhärenz könnten der nicht ausreichend interaktive oder der fehlende repetitive Charakter der Maßnahmen zur Verbesserung der Leitlinienkonformität sein. Da der histologische Befund einen Einfluss auf die Empfehlungen bezüglich des Nachsorgeintervalls hatte, sind interdisziplinäre Weiterbildungen zur Verbesserung der leitliniengerechten Versorgung zu implementieren.

Abstract

Background: Colorectal cancer (CRC) is the second most common malignancy in Germany. Screening colonoscopies with polypectomy have been demonstrated to reduce the incidence of CRC. Detailed recommendations on scheduling screening and follow-up colonoscopies have therefore been included into national guidelines. Knowledge about CRC guidelines and adherence to guideline recommendations varies greatly among physicians.

Methods: We combined different implementation strategies (training courses, case discussion, handouts, wall charts) to improve adherence of recommendations for scheduling follow-up colonoscopy. To assess adherence, written recommendations given at discharge after inpatient treatment for polypectomy were analysed before (n = 111) and after (n = 83) the implementation of the above-mentioned implementation measures. Additional factors possibly influencing the recommendations of physicians were collected (histology, polyp size).

Results: The adherence to the CRC guideline before implementation of the above-mentioned measures was moderate. After intervention, there was a non-significant increase from 47 % to 53 %. Senior physician review and editing of the discharge summaries improved guideline adherence of recommendations to 69 %. Neither the education level of residents nor their affiliation to a certain department had an impact on the quality of the recommendations. Histology and in particular information on the resection status of the polyps in the pathology report (complete versus incomplete resection) had an influence of the recommended schedule. Furthermore, size of the polyps, but not the number, had a statistically significant influence on the quality of the recommendations.

Conclusions: The inadequate improvement of guideline adherence can possibly be explained by the insufficient interactive and repetitive character of interventions. As the histology reports seem to have an influence on the recommendations in regards to the interval to the next colonoscopy, interdisciplinary teaching is necessary to improve guideline concurrent care.