Pneumologie 2013; 67 - P207
DOI: 10.1055/s-0033-1334636

Aorto-aortaler Bypass zur Therapie des Postpneumonektomie-Syndroms

M Westhoff 1, M Albert 2, G Holinka 2, M Waltert 3, R Krakor 4
  • 1Lungenklinik Hemer – Klinik für Pneumologie
  • 2Lungenklinik Hemer – Klinik für Thoraxchirurgie
  • 3Überörtliche Gemeinschaftspraxis für Pneumologie, Münster, Warendorf, Ahlen
  • 4Klinikum Dortmund – Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie

Einleitung:

Nach Pneumonektomie kann eine Verlagerung des Mediastinums zu einer relevanten Kompression des Bronchialsystems mit progredienter Dyspnoe führen, die außergewöhnliche Therapiekonzepte erfordert. Dargestellt wird die Therapie eines rechtsseitigen Postpneumonektomie-Syndroms durch eine Aorta descendens-Resektion mit aorto-aortaler Bypassanlage.

Kasuistik:

Der 1952 geborene Patient wurde 2005 wegen eines Bronchialkarzinoms rechtsseitig pneumonektomiert. 2007 beklagte er erstmalig eine Belastungdyspnoe. Die FEV1 war auf 1,9 l bei einer VC von 3,3 l erniedrigt. Im CT Nachweis einer erheblichen Schrumpfung des rechten Hemithorax und einer Mediastinalverlagerung nach rechts mit Kompression des linken Unterlappenbronchus durch die Aorta descendens. Bronchoskopisch bestand eine Einengung des Unterlappenbronchus links. Im Juni 2011 beklagte der Patient eine schwerste Belastungsdyspnoe. Die FEV1 war auf 1,4 l abgesunken, der Anteil des Residualvolumens an der TLC auf 64,1% gegenüber 45,6% in 2006 angestiegen. Computertomographisch und endoskopisch ausgeprägte Einengung des linken Ober- und Unterlappenbronchus. Endoskopische Massnahmen oder die Prothesenimplantation kamen nicht in Betracht. Als individuelle Entscheidung wurde eine Segmentresektion der Aorta descendens mit anschließender aorto-aortaler Bypassan-lage durchgeführt. Postoperativ zeigte sich keine Einengung mehr. Die FEV1 stieg auf 2,4 l, die Atemwegswiderstände waren normalisiert, der RV-Anteil an der TLC auf 40,1% rückläufig. Es bestand eine Belastbarkeit bis 77 Watt mit einer VO2 von 12,8 ml/kg/min.

Diskussion:

Postpneumonektomie-Syndrome sind selten, können jedoch zu schwerwiegenden respiratorischen Problemen führen, die mit konservativen, interventionell-endoskopischen oder thorakal-expandierenden Verfahren nicht behandelbar sind, insbesondere wenn eine erhebliche Schrumpfung des Hemithorax besteht. Die Falldarstellung zeigt, dass durch eine in dieser Art erstmalig durchgeführte Aortasegmentresektion mit anschließendem aorto-aortalen Bypass eine effektive Behandlungsmöglichkeit besteht.