Handchir Mikrochir plast Chir 2013; 45(02): 120
DOI: 10.1055/s-0033-1333691
Nachruf
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wolfgang Stock, 21.11.1943–10.4.2012

Further Information

Publication History

Publication Date:
20 February 2013 (eFirst)

Zoom Image
Wolfgang Stock

Einer der mikrovaskulären Replanteure der ersten Stunde Deutschlands ist 2012 in München verstorben.

Wolfgang Stock, Sohn von Dr. med. Karl Stock und seiner mexikanischen Frau Irma, ist in Gomadingen auf der Schwäbischen Alb geboren und mit den Geschwistern Peter, Manuel und Nana im Schwabeländle aufgewachsen. Schon während seiner Schulzeit hatte er angefangen, kleine Teile zu konstruieren (alte Autos, Züge und Uhren konnte er „baschteln“).

Er hat an den Universitäten Tübingen, Innsbruck und München studiert.

1971 begann er an der Technischen Universität München (TUM) mit seiner Facharztausbildung in Chirurgie (Univ. Prof. Dr. G. Maurer). Bereits 1975/76 entwickelten Edgar Biemer, Wolfgang Duspiva und Wolfgang Stock die ersten mikrochirurgischen Operationen und Replantationen der Hände. Ab 1976 arbeitete Wolfgang Stock in der Klinik für Plastische Chirurgie rechts der Isar (Univ. Prof. Dr. Ursula Schmidt-Tintemann). Für seine Facharztausbildung in Plastischer Chirurgie war er auch in Glasgow, Schottland (Prof. Dr. ­McGregor).

Wolfgang Stock begann damals mit Frau Prof. Schmidt-Tintemann, (Chen, Shanghai), Edgar Biemer und anderen amputierte Körperteile zu replantieren. Zwischen 1979 und 1986 schrieb er ca. 30 Publikationen über replantierte Daumen und Finger, die Oberarm-Lappenplastik, osteo-kutane Unterarm-Lappenplastiken und die Rekonstruktion des Unterkiefers. Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen erschienen in diesem Journal, dem Journal of Microsurgery, der Zeitschrift für Unfallheilkunde, im Chirurg und anderen. Sein Weg führte ihn sehr oft an die Universität Budapest (Prof. Dr. J. Manninger), wo er die Kollegen Handchirurgie, Mikrochirurgie und Replantationschirurgie lehrte. Bis 1996 lehrte er dies auch an verschiedenen Stellen in Mexiko. Die weiteren Publikationen und die spätere ­Habilitation von Wolfgang Stock wurden liebevoll begleitet von seiner Frau Eva und den 3 Kindern. Er wechselte 1987 von der TUM zur Chirurgie der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) München-Innenstadt Chirurgie (Univ. Prof. Dr. L. Schweiberer) als Leiter der Plastischen Chirurgie in der Pettenkoferstraße.

Besonders verdient gemacht hat sich Wolfgang Stock in der Rekonstruktion im Kopf- und Gesichtsbereich, der mikrovaskulären Beckenkamm-Transplantationen oder der Tibia-oder Fibula-Transplantationen vom vaskulären Periostschlauch. Insgesamt war er an über 53 Publika­tionen beteiligt. Ab 1991 begleitete Wolfgang Stock OP-Teams von Interplast in andere Länder, beispielsweise nach Korea, Sri Lanka, Vietnam, Äthiopien und Paraguay.

Leider verlor Wolfgang Stock seine noch junge Frau Eva im Jahr 2006. Die Kinder Julian, Simone und Luisa waren ihm eine große Stütze. Oft traf er sich mit seinem Bruder „Manolito“, gern zum Golfspielen in Kapstadt, Südafrika.

Im Jahr 2008 ging er in den Ruhestand – mit der stolzen Zahl von 96 Veröffentlichungen. Ein Jahr später erkrankte Wolfgang Stock schwer.

Seine Kinder sorgten dafür, dass er bis zuletzt zuhause bleiben und seine vielen, vielen alten Uhren im Auge behalten konnte.

Prof. Dr. Dr. med. Giulio Ingianni