ZWR 2012; 121(12): 605
DOI: 10.1055/s-0033-1333554
Editorial
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Als ich ein Kind war

Cornelia Gins
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Publication Date:
18 January 2013 (online)

Von den Krankenkassen bekommt man selten schöne Post, doch es gibt auch Ausnahmen. So geschehen in diesem Jahr, als mich ein besonderer Weihnachtsgruß in Form eines Gedichts erreichte. „Verfasser unbekannt“ schrieb über seinen Wunsch, mal wieder Weihnachten zu feiern, wie es früher war. Kein Rennen hin zur Bescherung und vor allem kein Schenken ohne Sinn. Keine überladenen Gabentische, nur ein winzig kleines Stück vom verlorenen Weihnachtszauber wäre Geschenk genug. Klirrender Frost, frischer Schnee und funkelnde Sterne sollten den Heiligabend winterlich verzaubern. Glockengeläut würde zur Messe einladen, die Herzen wären mit Freude angefüllt, und Kinderaugen würden glänzen. In dieser weihnachtlichen Stimmung könnte vielleicht sogar der Gesang der Engel gehört werden. Er wünscht sich in diesem Jahr „die Weihnacht, wie sie als Kind ihm war“.

Ich bin ganz sicher, dass in jedem von uns auch dieses Kind steckt. Nur zugeben wird es kaum einer. Aber wir suchen ihn schon noch, den Weihnachtszauber. Oder etwa nicht? Jedes Jahr aufs Neue umfängt mich jene kindliche Vorfreude auf die Weihnachtszeit, die sich aus Kindertagen in mein Gedächtnis eingeprägt hat, auch wenn ich nicht mehr ganz unterscheiden kann, ob sie meiner Phantasie oder dem wirklich Erlebten entspringt. Aber das ist auch unerheblich, Hauptsache ich fühle es.

Wir haben es selbst in der Hand, ein Stück dieser kindlich glücklichen Phantasie zu bewahren und vor allem sie an unsere Kinder und Enkel weiterzugeben. Einen guten Weg sehe ich darin, alte Traditionen und Rituale zu bewahren. Klingt vielleicht schwierig in einer Zeit, in der ohne digitalen Schnickschnack nichts mehr geht. Den könnte man sich aber gut zunutze machen, wenn man im Netz den für mich ultimativen Weihnachtsfilm findet: Das Wunder von Manhatten. Es besteht dann die Chance, dass auch der überzeugteste Computerfreak die Existenz des Weihnachtsmannes zumindest in Erwägung zieht.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein friedliches, harmonisches Weihnachtsfest und eine zufriedenes und gesundes Neues Jahr!

Ihre

Cornelia Gins