Psychother Psychosom Med Psychol 2013; 63(01): 55-57
DOI: 10.1055/s-0032-1332833
Fragen aus der Forschungspraxis
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Evaluation einzelfallbezogener Veränderungen auf kontinuierlichen Variablen

Evaluation of Single Case Change in Continuous Variables
Helmut Kirchmann
Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Jena
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
21. Januar 2013 (online)

Fazit für die Praxis

Durch einzelfallbezogene Abbildung und Evaluation intraindividueller Veränderungen kann der Anteil von Studienteilnehmern bestimmt werden, die sinnvoll definierte Veränderungskriterien erreicht haben. Hierdurch wird ein hohes Maß an Anschaulichkeit erzielt. Es gilt dabei aber zu beachten, dass die Ergebnisse der Betrachtung einzelfallbezogener intraindividueller Veränderungen nicht als kausale Effekte interpretiert werden können, sondern lediglich als Beschreibung bzw. Prognose, wie viel Prozent der Studienteilnehmer die zugrunde gelegten Veränderungskriterien erfüllt haben bzw. bei einer späteren, identischen Intervention erfüllen sollten. Für die Berechnung kausaler Effekte sind grundsätzlich Analysen von Stichprobenkennwerten nötig. Diese können und sollten in Ergebnisdarstellungen durch einzelfallbezogene Abbildung und Evaluation intraindividueller Veränderungen sinnvoll ergänzt werden. Liegen für eine Outcomevariable Kennwerte vor (Reliabilität, Mittelwert, Streuung, ggf. validierte klinisch relevante Cut-off-Werte), die an großen Stichproben gewonnen wurden, sollte der Reliable Change Index in Kombination mit der klinischen Signifikanz verwendet werden, da hierbei zugleich Anschaulichkeit erzielt und die Messfehlerproblematik berücksichtigt wird.

Ergänzendes Material