Pädiatrie up2date 2013; 08(01): 67-84
DOI: 10.1055/s-0032-1326023
Intensivmedizin/Neonatologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Präklinische Flüssigkeitstherapie im Kindesalter

W. Alexander Osthaus
,
Tobias Ankermann
,
Robert Sümpelmann
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Publication Date:
16 March 2013 (online)

Fazit
  • Ein Flüssigkeitsmangel (Dehydratation, Hypovolämie) und konsekutiv der Flüssigkeitsbedarf kann bei Kindern durch klinische Zeichen und Symptome eingeschätzt werden.

  • Bei einer leichten bis mäßigen Dehydratation ist wenn möglich eine orale Flüssigkeitsgabe vorzuziehen. Nur wenn eine orale Rehydratation nicht möglich ist, oder bei schwerer Dehydratation ist eine i. v.-Gabe sinnvoll.

  • Bei einer leichten bis mäßigen Dehydratation insbesondere im ambulanten Bereich und bei oraler Flüssigkeitszufuhr ist die Flüssigkeitstherapie unabhängig davon, ob es sich um eine iso-, hypo- oder hypertone Dehydratation handelt.

  • Bei klinischen Hinweisen auf eine schwere Dehydratation können in allen Altersgruppen, das heißt bei Säuglingen ebenso wie bei Erwachsenen, Boli von jeweils 10–20 ml/kg einer Vollelektrolytlösung infundiert werden.

  • Bei Gastroenteritis können zur kurzeitigen i. v.-Flüssigkeitstherapie im Rahmen einer Dehydratation auch NaCl 0,9 % und Ringer-Laktat verwendet werden.

  • Grundsätzlich ist aber bei der parenteraler Therapie den balancierten Lösungen wegen der größeren therapeutischen Breite der Vorzug zu geben. Hyperchlorämische Dilutionsazidosen treten bei der Verwendung von balancierten Lösungen nicht auf.

  • Bei größeren Volumendefiziten oder -verlusten kann durch zusätzliche Infusion von künstlichen Kolloiden der kolloidosmotische Druck und damit auch das Plasmavolumen stabilisiert werden.

  • Modifizierte flüssige Gelatine ist das Kolloid, das auch bei kleinen Kindern am längsten eingesetzt wurde. Im direkten Vergleich sind die Hydroxyethylstärke-Präparate der zweiten und dritten Generation jedoch höchstwahrscheinlich effektiver.

  • Glukosehaltige Infusionslösungen (max. 1–2 %) sollten nur bei speziellen Indikationen und nur kontinuierlich und nicht frei tropfend verabreicht werden.

  • Hypotone Infusionslösungen dürfen zur Behandlung von akuten Volumenmangelzuständen wegen der Gefahr der Hyponatriämie außerhalb klinischer Überwachung nicht eingesetzt werden.