Pädiatrie up2date 2012; 07(04): 399-411
DOI: 10.1055/s-0032-1325747
Gastroenterologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Rationelle Stuhldiagnostik

Stephan Buderus
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Publication Date:
06 December 2012 (online)

Einleitung

Stuhlgang (Fäzes, Kot) besteht als Endprodukt der Verdauung von Nahrungsmitteln zu 75 – 80 % aus Wasser und zu 20 – 25 % aus festen Bestandteilen. Krankheiten unterschiedlicher Genese können zur Veränderungen der Stuhlkonsistenz, Stuhlfrequenz oder Stuhlfarbe führen, sodass allein aus der Beobachtung viele wichtige Hinweise auf eine zugrundeliegende Diagnose bzw. gesundheitliche Problematik gewonnen werden können. Auch wenn die weitergehende differenzierte Untersuchung von Stuhl im Labor von vielen als anrüchig, unangenehm oder auch eklig empfunden wird, ist dieses menschliche Ausscheidungsprodukt im klinischen Alltag oft von wichtiger diagnostischer Bedeutung. Aus pädiatrischer Hinsicht ist es sehr vorteilhaft, dass die Gewinnung von Stuhl für die Patienten nicht mit Schmerzen oder sonstigem großen oder belastenden Aufwand erfolgen kann. Ziel des folgenden Artikels ist es daher, eine Übersicht (Abb. [1]) über sinnvolle Untersuchungen und diagnostische Tests, die mit oder aus Stuhlproben veranlasst werden können, zu geben.

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Abb. 1 Übersicht der rationellen Stuhldiagnostik.

Die besondere kulturelle Bedeutung dieses Themas über alle Altersklassen hinaus lässt sich daran ermessen, dass die Beschäftigung mit der Stuhlausscheidung in vielen Familien mehr oder weniger regelmäßig ist und dass beispielsweise der sog. „Sauberkeitserziehung“ ein hoher Wert zugemessen wird. Aus echten und vermuteten Auffälligkeiten resultiert eine hohe Rate von Arztbesuchen, die Stuhlausscheidungsstörungen bzw. -veränderungen als Grund haben, darunter am häufigsten die Obstipation, gefolgt von Durchfällen.

Erfreulicherweise gibt es mittlerweile mehrere Bilderbücher, die in humorvoller Weise über Stuhlgang informieren und hoffentlich zur „Entmythologisierung“ bei Eltern, Kindern, Ärzten, Krankenschwestern und Laborpersonal beitragen. Eine kleine Auswahl:

  • „Das Buch vom Machen und Müssen“ von Nicola Davies und Neal Bayton (Verlag Sauerländer)

  • „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch (Peter Hammer Verlag)

  • „So ein Kack“ von Pernilla Stalfelt (Moritz Verlag, Abb. [2])

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Abb. 2 Bücher wie „So ein Kack“ von Pernilla Stalfelt können helfen, über das für manche sehr heikle Thema des Stuhlgangs zu sprechen (mit freundlicher Genehmigung des Moritz Verlag, Frankfurt/M.).

Im ärztlichen Beratungsgespräch mit Kindern und Eltern – beispielsweise über Obstipation oder funktionelle Durchfälle – können diese Bücher eine sehr sinnvolle Unterstützung bei der Vermittlung von Fakten und der Darstellung des Spektrums der Normalität sein.