Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2012; 47(9): 556-562
DOI: 10.1055/s-0032-1325286
Fachwissen
Notfallmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Adipositas im Rettungsdienst – Was ist zu beachten?

Obesity in prehospital emergency care
Patricia Kruska
,
Stefan Kappus
,
Thoralf Kerner
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Publication History

Publication Date:
11 September 2012 (online)

Zusammenfassung

Die Prävalenz der Adipositas hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Adipöse Personen leiden häufig an Erkrankungen, die bei akuter Dekompensation eine zügige präklinische Therapie erfordern. Das Rettungsdienstpersonal muss sich jedoch neben der erschwerten präklinischen Diagnostik und Therapie auch auf problematische und verzögerte Rettungs- und Transportmaßnahmen einstellen. Hierbei muss eine präklinische Qualitätsminderung und Zeitverzögerung vermieden werden. Die vorliegende Arbeit soll die besonderen Herausforderungen der präklinischen Versorgung extrem adipöser Personen darstellen und Lösungsansätze zur Therapieoptimierung erörtern.

Abstract

The prevalence of obesity has increased steadily in recent years. Obese people often suffer from diseases which acute decompensation requires a prompt prehospital therapy. The Emergency Medical Service will be confronted with difficulties in clinical diagnostic, therapy and especially with a delayed management of rescue and transport. It is most important to avoid prehospital depreciation in quality and time management. This article reviews the specific requirements of prehospital care of obese persons and discusses possible solutions to optimize the prehospital therapy.

Kernaussagen

  • Bei steigender Prävalenz gewinnt die Adipositas auch im präklinischen Bereich zunehmend an Bedeutung.

  • Inadäquate Manschettengrößen zur nicht invasiven Blutdruckmessung können zu falschen Messwerten führen. In den Rettungsmitteln sollten daher Blutdruckmanschetten verschiedener Größen vorgehalten werden.

  • Bei schwieriger periphervenöser Punktion sollte die Indikation zur intraossären Punktion gestellt werden.

  • Eine ausreichende Präoxygenierung ist gerade bei adipösen Patienten von großer Bedeutung.

  • Bei notwendiger Atemwegssicherung ist bei adipösen Notfallpatienten die endotracheale Intubation der Goldstandard; müssen supraglottische Beatmungshilfen eingesetzt werden, sollten Larynxmasken oder Larynxtuben mit der Möglichkeit der ösophagealen Drainage verwendet werden.

  • Auch bei adipösen Patienten kann präklinisch eine nicht invasive Beatmung erwogen werden.

  • Eine Modifikation des BLS- / ACLS-Algorithmus bei kardiopulmonaler Reanimation muss aufgrund der Adipositas nicht vorgenommen werden.

  • Das max. Zuladegewicht der verwendeten Hilfsmittel muss bekannt sein, um eine Patientengefährdung zu vermeiden.

  • In jedem Rettungsdienstbezirk sollte ein vorgefertigter Algorithmus für Rettung und Transport von adipösen Personen erarbeitet werden.

  • Geeignete Zielkliniken mit spezieller Ausstattung zur Behandlung adipöser Personen sollten der Rettungsleitstelle bekannt und die Zuweisung durch diese koordiniert werden.

Ergänzendes Material