Frauenheilkunde up2date 2012; 6(6): 403-418
DOI: 10.1055/s-0032-1324889
Geburtshilfe und Perinatalmedizin
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erworbene ZNS-Läsionen bei Früh- und Reifgeborenen

R. Trollmann
,
N. Gratzki
Further Information

Publication History

Publication Date:
21 December 2012 (online)

Einleitung

Die Morbidität und Mortalität von extrem Frühgeborenen konnte durch die kontinuierlichen Fortschritte in der Perinatalmedizin, der geburtshilflichen Prävention und neonatologischen Intensivmedizin (z. B. Transport in utero, Screening und Behandlung von Infektionen, antenatale Steroide, Surfactant-Therapie) enorm verbessert werden. Die Überlebensrate von Frühgeborenen mit Geburtsgewicht < 1500 g (VLBW) liegt bei mehr als 90 %. Auch Frühgeborene mit einem Gestationsalter (GA) von 24–25 Wochen haben heute gute Überlebenschancen [1], [2]. Mit diesen Fortschritten hat sich aber auch gezeigt, dass ZNS-Läsionen mit dem Grad der Unreife bei Geburt an Häufigkeit und Schwere zunehmen – verbunden mit einem erhöhten Risiko für entwicklungsneurologische Defizite. Intraventrikuläre Germinalmatrix-Blutungen (GMH-IVH) stellen neben der periventrikulären Leukomalazie (PVL) die häufigsten erworbenen zerebralen Komplikationen nach extremer Frühgeburtlichkeit dar. Während eine sinkende Inzidenz von intraventrikulären Blutungen (IVH) als Ausdruck einer wirksamen perinatologischen Prävention beobachtet wird, ist die PVL insbesondere bei extrem Frühgeborenen von hoher Relevanz [3].

Mit dem Grad der Unreife bei der Geburt steigt die Zahl und Schwere von ZNS-Läsionen.

Die Weiterentwicklung des neonatalen zerebralen Monitorings, Früherkennung perinataler ZNS-Läsionen und besonders deren Prävention sind daher zentrale Themen. Im Folgenden werden neurobiologische Grundlagen, aktuelle Aspekte zur Diagnostik, Möglichkeiten der Prävention und postnatales Management dargestellt.