Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin 2012; 22 - A25
DOI: 10.1055/s-0032-1322825

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Rehabilitation bei chronischen Rückenschmerzen während und nach der Rehabilitation

T Gottfried 1, C Symannek 1, U Härtel 1
  • 1Klinik Höhenried gGmbH, Bernried

Fragestellung: In einer prospektiven Kohortenstudie wird untersucht, ob die derzeitige Standardtherapie im Verlauf einer stationären orthopädischen Rehabilitation bei Männern und Frauen mit chronischen Rückenschmerzen physisch und psychosozial gleichermaßen erfolgreich ist und welche Faktoren unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten die Prognose beeinflussen. Methodik: Insgesamt wurden 237 Patienten (118 Frauen und 119Männer) rekrutiert. Im Rahmen der Studie werden zu vier Erhebungszeitpunkten (Beginn Reha, Ende Reha, 6 und 12 Monate nach Ende der Reha) mit unterschiedlichen Erhebungsinstrumenten Variablen der subjektiven Gesundheit, physiologische, soziodemographische und sozioökonomische sowie psychologische und psychosoziale Variablen erhoben. Ergebnisse: Die ersten Ergebnisse zeigen bereits, dass sich die „Ausgangsbedingungen“ bei Antritt der Rehabilitation bei Frauen und Männern mit chronischen Rückenschmerzen zum Teil erheblich unterscheiden. Frauen geben eine höhere Intensität der Rückenschmerzen im Vergleich zu Männern an. Sowohl die durchschnittliche als auch die maximale Schmerzintensität bessern sich bei beiden Geschlechtern im Verlauf der Reha und nach 6 Monaten, bleiben aber insgesamt bei den Frauen erhöht. Männer sehen ihre Rückenschmerzen durch die Reha stärker gebessert an. Bei der Selbsteinschätzung des subjektiven Gesundheitszustandes ist nach Ende der Reha und nach 6 Monaten eine signifikante Verbesserung bei beiden Geschlechtern eingetreten. Auch die Prävalenz auffälliger Angstwerte nach HADS-Kriterien, die bei Frauen zu Beginn der Reha signifikant gegenüber den Männern erhöht war, zeigte bei beiden Geschlechtern eine signifikante Verbesserung sowohl nach Ende der Reha als auch nach 6 Monaten. Diskussion: Eine stationäre Rehabilitation bewirkt sowohl bei Männern als auch Frauen eine Besserung der physischen und psychischen Gesundheit. Erste Ergebnisse indizieren, dass einzelne Faktoren geschlechtsspezifisch unterschiedlich wirken.