Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin 2012; 22 - A17
DOI: 10.1055/s-0032-1322817

Aktueller Stand der Weiterverlegung und Rehabilitation von Schwerverletzten – Eine bundesweite Umfrage im TraumaNetzwerk DGU

F Debus 1, C Kühne 1
  • 1Universitätsklinikum Marburg

Fragestellung: Um die umfassende Versorgung von polytraumatisierten Patienten sicherzustellen genügt nicht nur die Optimierung der präklinischen und klinischen Versorgung. Zur Gewährleistung einer zeitnahen und zielgerichteten Rehabilitation sind die klinikinternen Strukturen aber möglicherweise nicht ausreichend geeignet. Die Revision des Weissbuches zur Schwerstverletztenversorgung fordert ebenfalls eine Verbesserung der Rehabilitation bzw. eine bessere Vernetzung. In der vorliegenden Studie wird der in der Akutklinik begonnene Rehabilitationsprozess und die hierfür vorliegenden notwendigen Strukturen untersucht werden. Methodik: Zur Erfassung der Daten wurde ein Fragebogen mit insgesamt 9 Fragen entwickelt. Die Fragen befassen sich mit der personellen und strukturellen Ausstattung der Kliniken und dem Prozedere bezüglich der Weiterverlegung von Schwerverletzten. Die Fragebögen wurden an alle im TraumaNetzwerk DGU erfassten Klinken per Email verschickt. Nach drei Wochen wurden alle Klinken, welche noch nicht geantwortet hatten erneut angeschrieben. Ein drittes und letztes Anschreiben erfolgte nach 3 Monaten. Ergebnisse: Es haben 431 Kliniken an der Umfrage teilgenommen. Bei zur Zeit 740 aktiven Kliniken entspricht dies einem Rücklauf von 58,3%. Insgesamt verfügen 58,4% über keinerlei Möglichkeit zur stationären Rehabilitation im Haus. 7,2% können eine komplex stationäre Rehabilitation und 27,8% eine erweiterte ambulante Rehabilitation anbieten. Die Mehrzahl verfügt über eine Physio-, (98,8%) bzw. eine Ergotherapie (71,2%). 33,4% halten für die Weiterverlegung ein spezielles Case-Management vor, welches die Verlegung organisiert. Nur 16,9% der Kliniken verfügen über spezielle Reha-Teams für die Betreuung der Patienten bereits während des stationären Aufenthalts. Diese bestehen dann überwiegend aus internen Rehabilitationsmedizinern und Physiotherapeuten. Kliniken, mit jährlich über 100 Patienten mit ISS >16 verfügen in 51,9% über entsprechende Reha-Teams. Mit 62,9% verfügen diese Klinken auch überdurchschnittlich oft über ein Case-Management. 35,7% kontrollieren ihre Patienten in einer entsprechenden Spezialsprechstunde nach. Nur 56,6% aller Kliniken gaben an, dass der Mehrzahl der behandelnden Ärzte die Rehabilitationskliniken persönlich bekannt sind. Eine gezielte Kooperation mit Rehabilitationsklinken besteht in 34,4% der Fälle. Schlussfolgerung: Die Rehabilitation schwerverletzter Patienten ist ein fester Bestandteil der Versorgung an deutschen Kliniken. Die Auswertung zeigt allerdings, dass neben einer Großzahl an Kliniken, die über die strukturellen Voraussetzungen wie Physio-, Ergo-, Logo- und physikalische Therapie verfügen, die personelle Vorhaltung z.B. spezialisierter Reha- und Case-Management-Teams oftmals noch nicht hinreichend integriert ist. Teilweise bestehen Kooperationen mit bekannten Rehabilitationsklinken im Sinne einer Vernetzung der Behandlung. Jedoch sind einer Großzahl der Akutkliniken die Rehabilitationseinrichtungen, welche die weitere Versorgung des Patienten übernehmen, nicht bekannt. Diese Lücke gilt es in Zukunft zu schließen und die Zusammenarbeit weiter auszubauen.