Ultraschall in Med 2012; 33 - A504
DOI: 10.1055/s-0032-1322691

Kontrastmittelsonografie in der Diagnostik der Retroperitonealfibrose – ein Fallbericht

D Steubl 1, K Thürmel 1, U Heemann 1, KF Stock 1
  • 1Abteilung für Nephrologie, Klinikum rechts der Isar der TU München, DE München

dominik.steubl@gmx.de

Patient und Methode:

Ein 77-jähriger Patient stellte sich wegen eines neu aufgetretenen Kreatininanstieges auf 1,6mg/dl in unserer nephrologischen Ambulanz vor. Vorausgegangen war eine mehrmonatige Episode von Schmerzen im Bereich des unteren Rückens. An Vorerkrankungen sei lediglich ein Discusprolaps im lumbosakralen Übergang mit chronischer Schmerzanamnese vor 12 Jahren bekannt. Bisher erfolgten physiotherapeutische und analgetische Maßnahmen, die chronische Einnahme von NSAID wurde allerdings vom Patienten verneint. In der körperlichen Untersuchung imponierte eine deutliche Schwellung des linken Beines mit livider Verfärbung der distalen unteren Extremitäten ohne sensomotorisches Defizit. Laborchemisch imponierte ein Kreatininwert von 1,6mg/dl, ein CRP-Wert von 2,9mg/dlsowie ein Hb-Wert von 11,6g/dl. Die IgG-Subklasse 4 war mit 220mg/dl erhöht. In der Urinuntersuchung war eine leichtgradige Proteinurie nachweisbar. In der anschließenden B-Bild-Sonografie ließ sich eine Hydronephrose II° der rechten Niere nachweisen.

Retroperitoneal zeigte sich im Bereich der Aorta abdominalis um a. mesenterica sup. beginnend eine manschettenartige, echoarme Gewebevermehrung mit maximaler Ausdehnung im Bereich der Aortalbifurkation. In der angeschlossenen Kontrastmittelsonografie zeigte sich ein rasches Anfluten des Kontrastmittels in der Aorta und eine ausgeprägte Darstellung von Microbubbles in der B- Bildmorphologisch echoarm imponierenden Paraaortalregion im Sinne einer gut vaskularisierten Gewebevermehrung um die Aorta abdominalis.

Korrelierend hierzu nahm diese Gewebemanschette im ebenfalls durchgeführten PET-CT intensiv Fluordeoxyglucose auf. Eine immunsuppressive Therapie mit hochdosiertem Corticosteroid und Mycophenolat mofetil wurde eingeleitet, die Hydronephrose wurde mit einer Doppel-J-Schiene versorgt. Unter dieser medikamentösen Therapie kam es zu einer schnellen klinischen Besserung des Patienten mit Regredienz der Rückenschmerzen, eines Abschwellen des linken Beines sowie einer Regredienz der lividen Verfärbung der Beine. Die rechte Niere war bereits einen Tag nach DJ-Schienung entstaut. Laborchemisch normalisierten sich Kreatinin, Hb-Wert und CRP innerhalb einer Woche. Bei der gleichzeitig durchgeführten KM-Sonografie nach einer Woche zeigte sich allerdings weiterhin eine starke Aufnahme von Mikrobubbles in den periaortalen Weichteilmantel. Im Vergleich dazu waren bereits einen Monat nach Erstdiagnose in der Kontastmittelsonografie nur einzelne Microbubbles in der Paraaortalmanschette nachweisbar, klinisch war der Patient weiterhin beschwerdefrei.

Schlussfolgerung:

Dieser Fall einer retroperitonealen Fibrose zeigt eindrücklich den möglichen Stellenwert des Kontrastmittelverstärkten Ultraschalls in der Diagnose und Aktivitätsevaluation dieser Krankheitsentität. Potentiell kann dieses Verfahren in Zukunft bei ausgewählten Fällen eine Alternative zum bisherigen diagnostischen Goldstandard, dem PET-CT als kostengünstigere und strahlungsfreie Alternative darstellen.

Schlussfolgerung:

Dieser Fall einer retroperitonealen Fibrose zeigt eindrücklich den möglichen Stellenwert des Kontrastmittelverstärkten Ultraschalls in der Diagnose und Aktivitätsevaluation dieser Krankheitsentität. Potentiell kann dieses Verfahren in Zukunft bei ausgewählten Fällen eine Alternative zum bisherigen diagnostischen Goldstandard, dem PET-CT als kostengünstigere und strahlungsfreie Alternative darstellen.