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DOI: 10.1055/s-0032-1322116
Weniger ist mehr – Rauchfreiberatung durch Familienhebammen
Hintergrund: Die Prävalenz des Tabakrauchens während der Schwangerschaft ist bei sozial benachteiligten Frauen in Deutschland hoch. Auch der Wiedereinstieg in das Rauchen kurze Zeit nach der Geburt des Kindes ist in dieser Bevölkerungsgruppe besonders wahrscheinlich. Während und nach der Schwangerschaft sind Hebammen als Vertrauenspersonen prädistinierte Ansprechpartnerinnen. Familienhebammen spielen eine wichtige Rolle während und vor allem nach der Schwangerschaft, da sie junge Mütter bzw. Familien in belasteten Lebenssituationen und ihre jungen Kinder ein Jahr lang nach der Geburt weiter betreuen. Das Ziel des Projekts ist die Entwicklung, Erprobung und nachhaltige Integration eines Moduls „Rauchfreiberatung“ in die Qualifizierung zur Familienhebamme in Niedersachsen.
Methode: Von einem interdisziplinären Team, bestehend aus Hebammen, Präventions- und Tabakkontrollexpertinnen wurde ein Curriculum entwickelt und in eine 2,5-tägige Seminarkonzeption überführt. Diese beinhaltet neben einem Einführungsteil und einer Anwendungsphase des Gelernten über 4–8 Wochen, eine weitere Veranstaltung zur Vertiefung. Die Vorbereitung des Vertiefungstags durch die Erarbeitung eines eigenen Fallbeispiels ermöglicht eine besonders praxisnahe Diskussion und soll dazu beitragen, die Beratungskompetenz weiter zu erhöhen. Die Evaluation des Seminars erfolgt anhand einer Prä-Post Befragung. Den Seminarteilnehmerinnen werden Fragen zu Wissen und Einstellungen rund um das Thema „Rauchfreiberatung“ gestellt. Um auch von Frauen bzw. Familien, an denen das Beratungsangebot durch die Familienhebammen erprobt wurde eine Rückmeldung zu erhalten, wurde eine überwiegend abbildungsorientierte Feedback-Postkarte entwickelt und eingesetzt.
Ergebnisse: Das Curriculum beinhaltet die Schwerpunkte: Epidemiologie des Tabakrauchens, Diagnostik und Behandlung der Tabakabhängigkeit, Grundlagen der motivierenden Gesprächsführung anhand der Rauchfreiberatung, Praxisübungen/Rollenspiel, Kommunikation in schwierigen Situationen, Tool-Box und eine Praxis- und Fall-Reflektion. Bislang haben 41 Familienhebammen an den Seminaren teilgenommen. Ergebnisse der Evaluation der Seminarinhalte aus der Prä-post Befragung werden präsentiert. Einschätzungen des Rauchfrei-Beratungsangebots durch bereits beratene Frauen bzw. Familien werden vorgestellt und diskutiert.
Diskussion: Die Entwicklung des Curriculums zum Seminarangebot „Weniger ist mehr“ ist Ergebnis eines interdisziplinären Arbeitsprozesses von Hebammen und TabakkontrollexpertInnen. Nach Abschluss der Seminare und Evaluationen kann beurteilt werden, ob und in welchem Maße mit der entwickelten Seminarkonzeption praxisrelevante Fertigkeiten und Wissensinhalte für die Zielgruppe der Familienhebammen vermittelt werden konnten.