DO - Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2012; 10(4): 20-22
DOI: 10.1055/s-0032-1315193
DO | praxis
Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG Stuttgart · New York

Heterotaxien in der menschlichen Entwicklung

Sara Doll
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
26. Oktober 2012 (online)

Das Wort „Situs“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Lage, Stellung“. In der vorklinischen Medizin werden damit entweder die Stellung der (unpaarigen) Organe zueinander in den Körperhöhlen Kopf, Brustkorb und Bauch, in der Klinik ein eröffnetes Operationsfeld bezeichnet. Die meisten Menschen haben einen sog. „Situs solitus“. Dies bedeutet, dass alle Organe an folgender Weise im Körper liegen: das Herz befindet sich links im Brustkorb, und die Herzspitze weist nach links unten, die Leber findet man im rechten Oberbauch und der Blinddarm liegt im rechten Unterbauch. Dies ist Lehrbuchwissen, doch jedes Lehrbuch gibt lediglich wieder, welche Ausprägungen der Organe oder auch Gefäß- oder Nervenverläufe am häufigsten anzufinden sind. In Einzelfällen kann dieses Wissen zu aller Überraschung völlig falsch sein, obwohl die betroffenen Menschen weder davon Kenntnis haben noch wissentlich erkrankt sind: Bei ihnen sitzt das Herz „am rechten Fleck“. Diese sog. b>Heterotaxie (griechisch: heteros = verschieden, taxis = Anordnung) kann durch verschiedene Erkrankungen hervorgerufen werden und wird in der Literatur auch als Lateralisationsdefekt beschrieben.