Fragestellung: Das als Dopaminagonist funktionierende Bromocriptin ist in den USA zur Behandlung
des Typ 2 Diabetes zugelassen. Bromocriptin wird auch zur Unterdrückung der Prolaktinsekretion
beim Prolaktinom genutzt. Patienten mit Hyperprolaktinämie haben eine erniedrigte
Insulinsensitivität. Wir nahmen an, dass gesunde Probanden mit erhöhtem Diabetesrisiko
eine negative Assoziation zwischen Prolaktinspiegel und Insulinsensitivität aufweisen
würden.
Methodik: Prolaktinspiegel wurden bei Teilnehmern der Tübinger Familienstudie für Typ 2 Diabetes
(TUEF), (m/w=562/1121, mittleres Alter=40 Jahre, mittlerer BMI=30kg/m2), um 8:00 nüchtern abgenommen. Es wurden OGTTs durchgeführt. AUCGlukose0–120 und Insulinsensitivität wurden aus Parameter des OGTT berechnet. In einer Subgruppe
wurden hyperinsulinämisch-euglykämische Clamps durchgeführt.
Ergebnisse: Prolaktin zeigte eine positive Assoziation mit Insulinsensitivität (p=0,001) nach
Adjustierung für Geschlecht, Alter und BMI. Alter zeigte einen starken Interaktionseffekt
mit Prolaktin auf Insulinsensitivität (p<0,0001), und für junge Probanden ging die
positive Assoziation in eine negative über. HbA1c und AUCGlukose0–120 korrelierten auch negativ mit Prolaktin, und es fand sich ebenfalls eine Interaktion
mit Alter. Prolaktinspiegel in männlichen und postmenopausalen weiblichen Probanden
zeigte auch eine signifikante jahreszeitliche Variation (p=0,049). Die höchsten Spiegel
konnten im Winter, die niedrigsten im Sommer gemessen werden.
Schlussfolgerungen: Höhere Prolaktinspiegel sind mit erhöhter Insulinsensitivität und niedrigerem Blutzucker
assoziiert. Interessanterweise ist die Assoziation zwischen Prolaktin und Insulinsensitivität
altersabhängig, und ändert sich in die gegenteilige Richtung bei jüngeren Personen.
Dieser Befund könnte bei der Individualisierung der Therapie mit prolaktinmodulierenden
Wirkstoffen von klinischer Bedeutung sein.