Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2012; 47(5): 346-351
DOI: 10.1055/s-0032-1313573
Fachwissen
Anästhesiologie Topthema: Nervenschäden bei Regionalanästhesie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Nervenschäden bei Regionalanästhesie – Umgang mit in situ verbliebenen wirbelsäulennahen Katheterfragmenten

Rare medical incidents: Actual consensus statement for the removal of neuraxial catheter fragments
Thomas Frietsch
,
Anne-Friederike Lieb
,
Hinnerk Wulf
,
Steffen Ruchholtz
,
Claudius Thome
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Publication History

Publication Date:
24 May 2012 (online)

Zusammenfassung

Eine aufgrund ihres seltenen Auftretens in der Literatur wenig beschriebene Komplikation ist der Verbleib eines Katheterfragments im neuraxialen Raum. Aus den Antworten eines Fragebogens an Anästhesisten, Neurochirurgen, Orthopäden und Unfallchirurgen wurde versucht, eine Expertenmeinung als Handlungsanweisung zu generieren:

Bei Kindern besteht eine sofortige Operationsindikation. Beim asymptomatischen Erwachsenen kann ohne Antibiotikaprophylaxe zugewartet werden. Bei Symptomatik sollte ein Dünnschicht-Computertomogramm oder eine Durchleuchtung erfolgen. Haupt-indikationen für eine Operation sind neurologische Ausfälle, Liquorverlustsymptomatik, Infektionen, Schmerzen und lokale Beschwerden. Relative Indikationen sind starke Schmerzen, Infektion und gesicherte intrathekale Lage.

Das operative Vorgehen sieht die Lagerung in Bauchlage und das Aufsuchen des Fragments in Allgemeinanästhesie über die Eintrittsstelle vor. Ist die Eintrittspforte nicht mehr lokalisierbar, soll eine mediane Inzision gewählt werden. Die Verwendung eines Operationsmikroskops und die Durchführung der Chirurgie durch einen Neurochirurgen bzw. erfahrenen Wirbelsäulenchirurgen wird angeraten.

Abstract

The rupture of a catheter near the spine is rare. There are no evidence-based guidelines for diagnosis and therapy. Opinions derived from German anesthesiologists, neurosurgeons, orthopaedics and trauma surgeons are:

Infants should have immediate surgery. In an asymptomatic adult, the catheter fragment does not require removal surgery. Antibiotic prophylaxis is not necessary. If symptomatic, the catheter fragment should be localized by a thin slice computed tomography or fluoroscopy. Otherwise surgical exploration is indicated. Direct surgery is recommended for cases with neurological symptoms, infections, loss of spinal fluid, pain and local discomfort. Relative indications for surgery are severe pain, tissue infection and intrathecal localization of the fragment.

Surgery should be performed in prone position and under general anesthesia. Starting at the entry wound, the surgical access should be microsurgical and preferably by a neurosurgeon. If the entry is not detectable, a midline incision is suggested.

Kernaussagen

  • Die operative Entfernung wirbelsäulennaher Katheterfragmente ist beim erwachsenen Patienten ohne Symptome nicht erforderlich.

  • Bei Verdacht auf intrathekale Lage sollte operiert werden.

  • Die dafür angeratene Lokalisationsdiagnostik ist die Dünnschicht-Computertomografie.

  • Bei Komplikationen sollte das Fragment operativ entfernt werden.

  • Bei Kindern < 12 Jahren ist die operative Entfernung selbst ohne Lokalisationsdiagnostik anzuraten.

Ergänzendes Material