Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2012; 47(5): 296-306
DOI: 10.1055/s-0032-1313567
Fachwissen
Anästhesiologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Muskelrelaxanzien und neuromuskuläres Monitoring – Einführung für eine sichere klinische Anwendung

Muscle relaxants and neuromuscular monitoring – Introduction for a safe clinical application
Dennis Döcker
,
Andreas Walther
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Publication Date:
24 May 2012 (online)

Zusammenfassung

Der Einsatz von Muskelrelaxanzien erleichtert die endotracheale Intubation und verbessert die Operationsbedingungen. Ihre Anwendung sollte jedoch kontrolliert erfolgen, sonst drohen relevante Restblockaden zu Operationsende, die zu Patientendiskomfort bis hin zu schwerwiegenden Komplikationen führen können. Hierzu ist eine adäquate Überwachung mittels objektiven neuromuskulären Monitorings unabdingbar. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Grundlagen von Muskelrelaxanzien, ihre klinische Anwendung und die Überwachung ihrer Wirkung und ihres Abbaus.

Abstract

The use of muscle relaxants facilitates endotracheal intubation and ameliorates the conditions of surgery. But, their use should be controlled – otherwise there will be postoperative residual curarisation which can lead to patient discomfort up to severe medical complications. Therefore, an appropriate surveillance via objective neuromuscular monitoring is essential. This article gives a review of the basic principles of muscle relaxants, their clinical application and the surveillance of their effects and degradation.

Kernaussagen

  • Der Einsatz von Muskelrelaxanzien revolutionierte die anästhesiologische Praxis und macht viele moderne Operationsverfahren überhaupt erst möglich.

  • Die Wirkdauer von Muskelrelaxanzien ist interindividuell extrem unterschiedlich und im Einzelfall nicht vorhersehbar.

  • Vor der Intubation sollte nach Möglichkeit zur Vermeidung von Stimmbandschäden ein Muskelrelaxans gegeben werden, auch wenn dies für die nachfolgende Operation nicht notwendig ist.

  • Muskelrelaxanzien sollten intraoperativ nur nachgegeben werden, wenn dies für die Operation notwendig ist.

  • Klinische Zeichen unzureichender neuromuskulärer Erholung sind unzuverlässig. Daher erfordert die Anwendung von Muskelrelaxanzien obligat ein quantitatives neuromuskuläres Monitoring.

  • Unzureichende neuromuskuläre Erholung ist in der postoperativen Phase ein wesentlicher Faktor anästhesieassoziierter Morbidität und Mortalität.

  • An jedem anästhesiologischen Arbeitsplatz, an dem Muskelrelaxanzien angewandt werden, sollte ein Gerät zur objektiven Beurteilung der neuromuskulären Erholung zur Verfügung stehen.

  • Um von ausreichender neuromuskulärer Erholung sprechen zu können, sollte die TOF-Ratio ≥ 0,9, bei Verwendung von Akzeleromyografie sogar 1,0 sein.

Ergänzendes Material