Ultraschall Med 2012; 33(4): 386-388
DOI: 10.1055/s-0032-1313020
Kongressbericht
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zur wissenschaftlichen Repräsentanz der mittelgroßen Sektionen und Arbeitskreise der DEGUM am Dreiländertreffen 2010 in Mainz

The Scientific Representation of the Mid-sized Sections and Study Groups of DEGUM at the Dreiländertreffen, Mainz 2010
K. Seitz
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Publication Date:
07 August 2012 (online)

Nach den schon traditionellen Kongressberichten in den letzten Jahren zur Situation im Bereich Abdomen und Retroperitoneum aus internistischer Sicht unter Einbeziehung der radiologischen und chirurgischen Aspekte [1] [2] soll ein vergleichender Blick auf die Beiträge der interdisziplinären Gefäßdiagnostik (A) sowie der Neurologie (N) und Pädiatrie (P) geworfen werden. Die zahlenmäßig schwache Beteiligung 2011 ist sicherlich auf den Kongresstermin während der Sommerferien zurückzuführen, weshalb nur das DLT 2009 und 2010 berücksichtigt werden soll. Die Zahl der Beiträge war mit 33 bzw. 31 unverändert und nahezu gleichmäßig auf die genannten Disziplinen verteilt (2009: A 8 Vorträge/3 Poster; N 6/0; P 13/3; 2010: A 3/7; N 6/3; P 6/6). Insgesamt überwogen erfreulicherweise Studien, von insgesamt 11 Fallberichten stammten erwartungsgemäß 9 aus der Pädiatrie. Die Beiträge kamen in allen 3 Disziplinen überwiegend aus der DEGUM, nur 3 aus Österreich, je ein Beitrag aus Italien und der Schweiz.

Für die Diagnostik der subklinischen Arteriosklerose wurden Standardwerte der Intima-Media-Dicke (IMT) für gesunde Kinder in 2 Altersgruppen erstellt, interessanterweise ließen adipöse Kinder bereits höhere IMT erkennen [3]. Mittels sonografiegeleiteter Femoralispunktion ließen sich bei der Koronmarografie postpunktionelle Komplikationen signifikant reduzieren [4]. Bei 101 Patienten mit einer Karotisrestenose wurden Stenosemorphologie und Klinik verglichen. Bei KHK und Niereninsuffizienz sowie nach TEA traten symptomatische Restenosen signifikant häufiger auf, Statine waren protektiv wirksam, die systolische Maximalgeschwindigkeit korrelierte mit exulzerierten Plaques, jedoch nicht mit der klinischen Symptomatik [5]. Mittels FKDS ließ sich eine Zunahme der Perfusion der unteren Extremität nach additiver CT-gesteuerter Sympathikolyse bei AVK insbesondere am Anstieg der diastolischen Strömungsgeschwindigkeit nachweisen [6].

Ein Versuch, die Differenz der Widerstandsindizes an Milz und Niere zur Diagnostik der NAST zu nutzen, verlief – wie zu erwarten – ohne positives Ergebnis [7]. Drei weitere Studien fanden sich unter den Postern zur Morphometrie der Karotisstenose [8] [9] bzw. peripherer Arterien [10]. Die Verschlussrate lag für Thrombininjektionen bei postpunktionellem Aneurysma spurium in 116 Fällen bei 93,4 %, dabei zeigte sich eine Korrelation zwischen Aneurysmadiameter und der verwendeten Thrombinmenge, nur 1 Patient musste operiert werden [11]. Zwei Fallberichte behandelten Aneurysmen des Truncus coeliacus und der Pfortader [12] [13]. Eine Untersuchung gynäkologischer Kollegen ließ keinen Unterschied des IMT zwischen gesunden und präeklamptischen Frauen erkennen [14].

Den Erfolg der Sono-Thrombolyse wurde in einer Studie mit 39 Patienten mit Kontraindikationen gegen Alteplase nachgewiesen, für eine definitive Bewertung werden weitere randomisierte Studien benötigt [15], eine weitere Studie soll das Zeitfenster für eine späte Rekanalisation mit US untersuchen [16]. Erste Ergebnisse einer Studie zeigen, dass der Einsatz der TCCS zur Bestimmung der Ventrikelweite bei obstruktivem und restriktivem Hydrocephalus möglich ist [17].

Die Fortschritte der hochauflösenden hochfrequenten Sonografie wurden mit 2 Studien zur Darstellung distaler Äste des N. medianus, ulnaris und radialis sowie zum Snapping-ulnaris-Syndrom vorgestellt, hier scheint sich der US mit seiner exzellenten Auflösung zum diagnostischen Mittel der ersten Wahl zu entwickeln [18] [19]. Die Wertigkeit der orbitalen Duplex-Sonografie bei plötzlicher Erblindung bzw. Arteriitis temporalis wurde prospektiv an 50 Patienten untersucht, möglicherweise ist eine Unterscheidung zwischen embolischem und vaskulärem Verschluss möglich [20]. Nackenschmerzen und Halstrauma gelten aufgrund mehrerer Studien mit der Diagnose einer Vertebralarteriendissektion (VAD) assoziiert, umgekehrt konnte bei 120 Patienten mit diesen anamnestischen Angaben keine Korrelation mit der Diagnose VAD gefunden werden, für die Diagnose sind die typischen duplexsonografischen Zeichen bzw. MR- oder Subtraktionsangiografie erforderlich [21]. Eine Studie zur Sprachdominanz bei Schizophrenen mit funktioneller transkranieller Doppler-Sonografie ergab im Vergleich zu Gesunden keine Hinweise auf eine erhöhte Rate an atypischer Sprachdominanz und kann als Beispiel für den Einsatz der Sonografie als funktionsdiagnostisches Werkzeug gelten [22]. Der einzige Fallbericht bezog sich auf die Angioplastie eines Subclavian-Steal-Syndroms bei hochgradiger Stenose eines Karotis-Subclavia-Bypasses [23].

In der Pädiatrie belegten 2 Studien die hohe Qualität der 4-D-Ultraschallvolumetrie. Zur Größenbestimmung von Leber- und Nierentransplantaten [24] [25]. Den hohen primären Stellenwert der Sonografie belegt eine Studie über die Untersuchung von 49 Kindern mit orbitalen oder periorbitalen Raumforderungen, CT und MRT seien häufig entbehrlich [26]. In 6 Fällen mit Buried-Pumber-Syndrom konnte die Lage der Halteplatte exakt lokalisiert werden und durch Ausschluss einer extragastralen Lage ein operatives Vorgehen vermieden werden [27]. Zwei für die Pädiatrie typische Arbeiten zur Bestimmung von Normwerten beziehen sich auf die Blutströmungsgeschwindigkeit in kindlichen Nierenvenen und das Nierenvolumen in Relation zur Körperoberfläche [28] [29]. Des Weiteren wurde eine mit Mitteln der DEGUM geförderte intelligente Basis-Software zur standardisierten Befundung der Nieren und ableitenden Harnwege vorgestellt, Ziel ist eine vergleichbare Befundung und Verbesserung der Ergebnisqualität [30]. Die Fallberichte umfassten Darstellungen eines beidseitigen Subclavian-steal-Syndroms [31], eines Neurofibroms der Harnblase [32], von Neuroblastomen [33], eines Leberechinokokkus [34] und eines invaginierten Meckel-Divertikels [35].

Als Herausgeber der Ultraschall in der Medizin und als Besucher aller bisheriger Dreiländertreffen wünscht man sich naturgemäß möglichst zahlreiche und qualitativ hervorragende wissenschaftlichen Beiträge, dabei kann aus Gründen der fachgebundenen Kompetenz eines Internisten die Beurteilung der Qualität nicht durchgehend objektiv sein. Im Vergleich mit den „großen“ Sektionen halten die zahlenmäßig „kleineren“ Sektionen und Arbeitskreise aus meiner Sicht gut mit, die Pädiater zeigen Konstanz, die Neurologen bearbeiten hochinteressante Aspekte und die angiologischen Sonografiker scheinen aus meiner subjektiven Sicht vielleicht nicht so innovativ wie vor einigen Jahren. Betrachtet man die vorgestellten Beiträge auf ihre Herkunft, so zeigt sich eindeutig, dass zu wenige Arbeitsgruppen wissenschaftlich aktiv sind – auch dieser Aspekt lässt keinen Unterschied zu den zahlenmäßig stärkeren Sektionen erkennen.