Gesundheitswesen 2013; 75(02): 102-110
DOI: 10.1055/s-0032-1311629
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der aktuelle Stand des Qualitätsmanagements in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen

The State of Quality Management Implementation in Ambulatory Care Nursing and Inpatient Nursing
E. Farin
1   Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Freiburg i.Br.
,
J. Hauer
1   Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Freiburg i.Br.
,
E. Schmidt
1   Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Freiburg i.Br.
,
J. Kottner
2   Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
W. H. Jäckel
1   Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Freiburg i.Br.
3   Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung, Bad Säckingen
› Author Affiliations
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Publication Date:
04 June 2012 (online)

Zusammenfassung

Ziele:

In den letzten Jahren sind die Anforderungen bezüglich Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement im Bereich ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen kontinuierlich gestiegen. Im Gegensatz zu anderen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung (wie Krankenhäusern oder Rehabilitationskliniken) liegt nach Kenntnis der Autoren jedoch bisher keine empirische Studie vor, die den Stand der Umsetzung von Qualitätsmanagement in Pflegeeinrichtungen untersucht. Das Ziel der Studie bestand deshalb darin, auf der Basis einer möglichst repräsentativen Stichprobe von a) ambulanten und b) stationären Pflegeeinrichtungen und mithilfe eines von den Einrichtungen zu beantwortenden Fragebogens die aktuelle Verbreitung (Stand Frühjahr 2011) von Qualitätsmanagement und Zertifizierung in Pflegeeinrichtungen zu analysieren.

Methodik:

Für die Stichprobe wurden mittels geschichteter Zufallsstichproben jeweils 800 ambulante und 800 stationäre Pflegeeinrichtungen ausgewählt. Als Schichtungsmerkmale wurden a) das Bundesland, b) wenn vorhanden die Trägerkategorie und c) für stationäre Einrichtungen die Bettenanzahl, ausgewählt. Der Rücklauf betrug ca. 24%; es liegen Daten zu 188 ambulanten und 220 stationären Pflegeeinrichtungen vor. Während im Bereich der ambulanten Pflege die Verteilung der zurückgesendeten Fragebögen den Proportionen in der Population entspricht, finden sich bei den stationären Einrichtungen Abweichungen. Diese sind nicht mit nachweisbaren Verzerrungen verbunden; wir gehen von einer hinreichenden Repräsentativität der Daten aus.

Ergebnisse:

4 von 5 befragten Pflegeeinrichtungen orientieren sich nach eigenen Angaben an einem Qualitätsmanagement-Modell, wobei der Durchdringungsgrad dieser Qualitätsmanagement-Bemühungen in den Organisationen auf ca. 75% eingeschätzt wird. Fast 90% aller Einrichtungen verfügen über einen Qualitätsmanagement-Beauftragten, der häufig auch über spezifische Zusatzqualifikationen verfügt. Viele relevante Qualitätsmanagement-Instrumente (wie Pflegestandards, Befragungen, Qualitätszirkel) werden von über 75% aller befragten Einrichtungen genutzt. Verschiedene der erhobenen Daten deuten darauf hin, dass die Bemühungen um Qualitätsmanagement und Zertifizierung im stationären Bereich etwas weiter vorangeschritten zu sein scheinen als im ambulanten Bereich. Obwohl sich vier Fünftel der Einrichtungen an einem Qualitätsmanagement-System orientieren, besitzen im ambulanten Bereich laut eigener Angabe nur 32,1% der Einrichtungen ein Zertifikat oder Siegel (bzw. bereiten sich aktuell konkret darauf vor), im stationären Bereich sind es 41,5%. Diese Werte fallen geringer aus, wenn man sie nicht über die Selbstangaben der Einrichtungen, sondern über die Angaben der Anbieter von Zertifizierungsverfahren bestimmt. Besonders häufig wurde eine Zertifizierung nach den Normen der DIN EN ISO 9001 durchgeführt, da die marktüblichen pflegespezifischen Siegel oft eine Kombination des pflegespezifischen Zertifikats mit dem Zertifikat nach den DIN-Normen ermöglichen.

Schlussfolgerung:

Aktivitäten des internen Qualitätsmanagements sind mittlerweile in Pflegeeinrichtungen in hohem Maße verbreitet. Jede dritte Einrichtung ist nach eigenen Angaben zertifiziert, wobei sich in den letzten Jahren der Trend zur Zertifizierung deutlich verstärkt hat. Es zeigt sich eine insgesamt hohe Akzeptanz sowohl des internen Qualitätsmanagements als auch externer Qualitätssicherungsmaßnahmen. Es ist zu vermuten, dass der aktuelle Umsetzungsgrad von Qualitätsmanagement-Maßnahmen in vielen Pflegeeinrichtungen nicht hinter den Umsetzungsgrad in Krankenhäusern oder Rehabilitationseinrichtungen zurück fällt.

Abstract

Aims:

The demands being made on quality assurance and quality management in ambulatory care nursing and inpatient nursing facilities continue to grow. As opposed to health-care facilities such as hospitals and rehabilitation centres, we know of no other empirical studies addressing the current state of affairs in quality management in nursing institutions. The aim of this investigation was, by means of a questionnaire, to analyse the current (as of spring 2011) dissemination of quality management and certification in nursing facilities using a random sample as representative as possible of in- and outpatient institutions.

Method:

To obtain our sample we compiled 800 inpatient and 800 outpatient facilities as a stratified random sample. Federal state, holder and, for inpatient facilities, the number of beds were used as stratification variables. 24% of the questionnaires were returned, giving us information on 188 outpatient and 220 inpatient institutions. While the distribution in the sample of outpatient institutions is equivalent to the population distribution, we observed discrepancies in the inpatient facilities sample. As they do not seem to be related to any demonstrable bias, we assume that our data are sufficiently representative.

Results:

4 of 5 of the responding facilities claim to employ their own quality management system, however the degree to which the quality management mechanisms are actually in use is an estimated 75%. Almost 90% of all the facilities have a quality management representative who often possesses specific additional qualifications. Many relevant quality management instruments (i. e., nursing standards of care, questionnaires, quality circles) are used in 75% of the responding institutions. Various factors in our data give the impression that quality management and certification efforts have made more progress in the inpatient facilities. Although 80% of the outpatient institutions claim to have a quality management system, only 32.1% of them admit to having already been (or be in current preparation to be) certified, a figure that was 41.5% among the inpatient facilities. These percentages are smaller when one relies on information provided by the certifying institutions themselves rather on the nursing facilities. Most frequent is the certification according to the DIN EN ISO 9001 standard, since the care-specific certification procedures most widespread on the market enable facilities to combine a care-specific certificate with one according to DIN norms.

Conclusion:

Quality management has become very widespread in nursing facilities: every third institution claims to have been certified, and the trend to become certified has clearly intensified over the last few years. We observe overall very great acceptance of both internal quality management and external quality assurance. We suspect that the current use of quality management instruments in many nursing facilities will not fall behind such efforts in hospitals and rehabilitation centres.