Rofo 2012; 184 - VO206_9
DOI: 10.1055/s-0032-1311087

Reversibler Verlust an grauer Hirnsubstanz während eines Ultramarathonlaufs

W Freund 1, S Faust 1, U Schütz 1, AP Wunderlich 1, C Billich 1
  • 1Universitätskliniken Ulm, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Ulm

Ziele: Bei extremen Ausdauerbelastungen wie dem Transeuropalauf 2009 über insgesamt 4487km kann das Körpergewicht über die Ernährung nicht aufrecht erhalten werden, es kommt zum Katabolismus. Bei den Teilnehmern des Transeuropalaufs sollten die Auswirkungen des Katabolismus auf das Hirnvolumen untersucht werden. Methode: 13 Läufer wurden in die Studie eingeschlossen. Dabei sollte vor dem Lauf, nach etwa 2400 und nach etwa 4000km sowie ein halbes Jahr nach dem Lauf Veränderungen des Hirnvolumens untersucht werden.

Die Datenacquisition erfolgte in einem stationären und einem mobilen MRT (1,5 T Siemens Avanto) mit identischen Sequenzparametern einer MP-RAGE 3D-Sequenz.

Die Volumenbestimmung und Segmentierung erfolgte automatisch mittels SPM 8 mit der VBM Toolbox.

Mittels gepaarter t-Tests wurden Unterschiede der Volumina auf Signifikanz getestet, wobei p=0,05 als Signifikanzschwelle gesetzt wurde. Ergebnis: Bei 12 Läufern waren die Daten auswertbar, aufgrund terminlicher Schwierigkeiten waren aber nicht alle Untersuchungen erfolgt. Das Volumen an grauer Substanz betrug vor dem Lauf im Schnitt 612ml (Standardabweichung 61ml). Nach 2000km hatte das Volumen der Grauen Substanz um 29ml (SD 13ml, p=0,06 nicht signifikant) abgenommen, nach 4000km um 41ml (SD 18ml, p=0,014 signifikant). Nach einer Nachbeobachtungszeit von etwa 6 Monaten hatte sich das Hirnvolumen wieder normalisiert, so dass nur noch ein Mangel von 4ml (SD 15ml, p=0,42 nicht signifikant) festgestellt wurde. Schlussfolgerung: Durch den Einsatz eines mobilen MRT konnten longitudinale Daten zu Veränderungen des Hirnvolumens während eines Ultramarathonlaufes gewonnen werden. Das Hirnvolumen ist normalerweise eine sehr konstante Größe, die pro Jahr etwa um 0,3% abnimmt. Die Volumenänderung während des Laufes war mit im Schnitt 7% signifikant aber nach 6 Monaten reversibel. Es gibt jedoch erste Hinweise auf psychische Belastungsreaktionen bei einem Teil der Ultramarathonläufer, die eventuell Folge des cerebralen Katabolismus sein könnten.

Keywords: VBM, MRT, Marathon, reversibel, Atrophie

Korrespondierender Autor: Freund W

Universitätskliniken Ulm, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Steinhövelstraße 9, 89075 Ulm

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