Rofo 2012; 184 - VO206_4
DOI: 10.1055/s-0032-1311082

Die leptomeningeale Kollateralisierung und der regionaler Perfusionsstatus bei MCA-Infarkten sind abhängig von der Konfiguration des Circulus Willisi: Ein umfassender standardisierter Ansatz

R Krumm 1, L Feyen 1, R Sandfort 1, T Niederstadt 1, V Hesselmann 1, A Kemmling 1
  • 1Universität Münster, Institut für klinische Radiologie, Münster

Ziele: Bei akuter Ischämie im Mediastromgebiet können leptomeningeale Kollateralen der Arteria cerebri posterior (PCA) abhängig von der Konfiguration des Circulus Willisi von der vorderen (fetale Variante) oder hinteren Zirkulation entspringen. Ziel dieser Studie war die Erfassung regionaler Hirnperfusion beim akuten Mediaverschluss sowie des finalen Infarktvolumens in Abhängigkeit unterschiedlicher Circulus Konfiguration. Methode: Es wurden prospektiv 97 Fälle mit Verschluss des M1 Segments der Arteria cerebri media (MCA) eingeschlossen. Multimodale CT-Bildgebung diente zur Bestimmung des Kollateralstatus und Hirnperfusion (Nativ CT, CT-Angiographie [CTA], Ganzhirnperfusion [CTP]). Der Circulus Willisi wurde bewertet (leptomeningeale Versorgung über vorderes Stromgebiet: Pcom > P1-PCA; hinteres Stromgebiet Pcom < P1-PCA). Durch Transformation der CTP in ein standardisiertes Koordinatensystem (MNI-152) unter Anwendung probabilistischer anatomischer Atlanten (Harvard-Oxford structural atlas) wurden Hirnperfusionsparameter in 58 Hirnregionen sowie das finale Infarktvolumen berechnet. Ergebnis: Abhängig vom Versorgungstyp zeigten sich signifikante Unterschiede der Hirnperfusion bei MCA Verschluss. Beim fetalen Versorgungstyp waren insbesondere folgende Regionen weniger stark von einem Perfusionsdefizit betroffen (fetal versus normal in ml/100mg/min): Temporalpol (41,2 vs. 31,03), inferiorer temporaler Gyrus (36,54 vs. 31,03), subcallosaler Kortex (54,84 vs. 43,80), orbitofrontaler Kortex (42,63 vs. 36,93), mediofrontaler Kortex (54,86 vs. 47,82), Gyrus cinguli (58,65 vs. 53,97). Das finale Infarktvolumen war 14% geringer (85,2 vs. 98,2ml) bei fetaler Circulus Konfiguration. Schlussfolgerung: Die leptomeningeale Kollateralversorgung beim akuten Mediaverschluss wird durch die Konfiguration des Circulus Willisi signifikant beeinflusst; dies könnte zur verbesserten Prädiktion des Infarkts herangezogen werden.

Keywords: Schlaganfall, CT Perfusion, Kollateralen

Korrespondierender Autor: Krumm R

Universität Münster, Institut für klinische Radiologie, Albert-Schweitzer-Str. 33, 48149 Münster

E-Mail: rainer.krumm@uni-muenster.de