Radiologie up2date 2012; 12(03): 267-279
DOI: 10.1055/s-0032-1310121
Neuroradiologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

RANO-Kriterien bei höhergradigen hirneigenen Tumoren

RANO-criteria for high-grade glioma
A. Radbruch
,
M. Bendszus
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Publication Date:
01 September 2012 (online)

Zusammenfassung

In der Behandlung höhergradiger hirneigener Tumoren muss man verlässlich beurteilen können, wie die Tumoren auf die Therapie ansprechen. Dies gilt für den klinischen Alltag und klinische Studien gleichermaßen. Die klassische Beurteilung des Therapieansprechens anhand der Macdonald-Kriterien wird den komplexer werdenden neuroonkologischen Therapien mit oft antiangiogen wirkenden Substanzen jedoch häufig nicht gerecht. Beispielsweise blieben für die korrekte radiologische Beurteilung wichtige Phänomene wie Pseudoprogression und T2-Progress bislang unberücksichtigt. Die Arbeitsgruppe „Response Assessment in Neuro-Oncology (RANO)“ hat daher neue Kriterien (RANO-Kriterien) erarbeitet, die sowohl radiologische Besonderheiten neuer Therapieregime berücksichtigen als auch eine Standardisierung der Auswertung klinischer Studien ermöglichen soll. Im folgenden Artikel wird ein Überblick über die wichtigsten Neuerungen gegeben, welche für den Radiologen bei der Befundung unmittelbar eine Rolle spielen.

Abstract

Reliable treatment response assessment is crucial for the treatment of high-grade glioma within clinical studies as well as for daily clinical decision making. The traditionally used Macdonald-Criteria often do not meet the needs of more complex oncologic therapies, especially antangiogenic therapies. For example, important radiologic phenomena such as pseudoprogression and T2-progress were not considered in Macdonald-Criteria. Therefore the working group for Response Assessment in Neuro-Oncology (RANO) has established new criteria that take into account the specifics of new therapy regimes and new standards fort the response assessment within clinical trials. In this article the most important innovations caused by the RANO-Criteria that play a direct role for the daily radiological work are summarized.

Kernaussagen
  • Sowohl für klinische Studien als auch für den klinischen Alltag stellen die RANO-Kriterien eine wichtige Neuerung in der Beurteilung des Therapieansprechens von Patienten mit höhergradigen Gliomen dar.

  • Das radiologische Phänomen der Pseudoprogression wird erstmals durch die RANO-Kriterien berücksichtigt: Hiernach ist innerhalb der ersten 12 Wochen nach Radiotherapie neu auftretendes Enhancement im Bestrahlungsfeld nicht automatisch als Progress zu werten.

  • Erstmals reicht die alleinige signifikante Zunahme von T2-hyperintensem Signal (T2-Progress) zur Begründung einer Progressive Disease.

  • Die RANO-Kriterien sind als „work in progress“ zu verstehen. Verbindliche Definitionen zu Pseudoprogression und T2-Progress sowie die Einbeziehung neuer Imaging-Methoden wie Diffusion oder Perfusion fehlen.

  • Erste klinische Studien weisen darauf hin, dass eine Zunahme des T2-Signals um 15 % eine praktikable Grenze für die Annahme eines T2-Progresses darstellen könnte.