Dtsch med Wochenschr 2012; 137(24): 1309-1314
DOI: 10.1055/s-0032-1305074
Konsensus | Review article
Ernährungsmedizin, Gynäkologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ernährung in der Schwangerschaft – Teil 1

Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“Nutrition in pregnancy – Practice recommendations of the Network „Healthy Start – Young Family Network“
B. Koletzko
1  Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Sprecher des Expertenbeirats
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
C.-P. Bauer
2  Fachklinik Gaißach
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
P. Bung
3  Gynäkologische Praxisklinik, Bonn
,
M. Cremer
4  Redakteurin, Idstein
,
M. Flothkötter
5  aid infodienst, Bonn
,
C. Hellmers
6  Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
M. Kersting
7  Forschungsinstitut für Kinderernährung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
M. Krawinkel
8  Deutsche Gesellschaft für Ernährung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
H. Przyrembel
9  ehem. Bundesinstitut für Risikobewertung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
R. Rasenack
10  Univ.-Frauenklinik Freiburg
,
T. Schäfer
11  Dermatologische Praxis, Immenstadt
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
K. Vetter
12  Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
U. Wahn
13  Charité-Universitätsmedizin Berlin
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
A. Weißenborn
14  Bundesinstitut für Risikobewertung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
A. Wöckel
15  Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
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Weitere Informationen

Publikationsverlauf

23. Dezember 2011

03. Mai 2012

Publikationsdatum:
05. Juni 2012 (online)

Zusammenfassung

Ernährung, Bewegung und die Lebensweise vor und während der Schwangerschaft beeinflussen die mütterliche und kindliche Gesundheit. Das Netzwerk „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ – Teil des Nationalen Aktionsplans IN FORM der Bundesregierung – entwickelte gemeinsam mit Fachgesellschaften einheitliche Handlungsempfehlungen zur Ernährung in der Schwangerschaft als Grundlage der Beratung werdender Eltern. Bis zum Ende der Schwangerschaft steigt der Energiebedarf nur um etwa 10 %, während der Bedarf an einzelnen Mikronährstoffen viel stärker zunimmt. Normalgewicht sollte möglichst schon vor der Schwangerschaft angestrebt werden. Die Ernährungsempfehlungen orientieren sich an den Empfehlungen für die Allgemeinbevölkerung. Zusätzlich sollen schon bei Kinderwunsch und mindestens im ersten Schwangerschaftsdrittel 400 µg Folsäure/Tag als Supplement eingenommen werden. Neben jodreichen Lebensmitteln und Jodsalz wird ein tägliches Supplement mit 100–150 µg Jod empfohlen. Zur Bedarfsdeckung an langkettigen Omega-3-Fettsäuren wird wöchentlich mindestens eine Portion fettreicher Meeresfisch empfohlen, bei Verzicht auf Fischverzehr die Einnahme eines Präparates mit der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure. Eine Vitamin-D-Supplementierung ist ratsam, falls keine regelmäßige Sonnenlichtexposition erfolgt. Ärzte, Hebammen und weitere Multiplikatoren sollten Paare mit Kinderwunsch zu einer gesundheitsfördernden Lebensweise motivieren. Teil 2 des Beitrags stellt die weiteren Kernaussagen und Handlungsempfehlungen zur Ernährung der Mutter, auch zu vegetarischer und veganer Ernährung, Empfehlungen zum Schutz vor Lebensmittelinfektionen, Empfehlungen zu Supplementen, zu Bewegung und zu Genussmitteln in der Schwangerschaft dar.

Abstract

Nutrition, physical activity and lifestyle in pregnancy influence maternal and child health. The “Healthy start – Young Family Network” supported by the German Government with the national action plan IN FORM developed recommendations on nutrition in pregnancy. Energy needs increase by only ≈10 % by the end of pregnancy whereas micronutrient needs increase much more. Normal weight should preferably be achieved before pregnancy. Dietary recommendations follow those for the general population. Folic acid supplements (400 µg/day) should be started before pregnancy and continue for at least the first trimester. Iodine rich foods and salt and an iodine supplement (100–150 µg/day) are recommended. Long-chain omega-3 fatty acids should be provided with ≥ 1 weekly portion of oily sea fish, or a DHA-supplement if regular fish consumption is avoided. Vitamin D supplementation is advisable unless there is regular exposure to sunlight. Health care professions should lead parents to health-promoting lifestyles. Subjects of part 2 of the article are practice recommendations on nutrition in pregnancy, especially vegetarian diets, recommendations on micronutrient supplementation, risk reduction of listeriosis and toxoplasmosis, alcohol, tobacco, caffeine and physical activity in pregnancy.