Klin Padiatr 2011; 223(06): 311-314
DOI: 10.1055/s-0031-1291235
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Krebsbehandlung bei Adoleszenten – administrative, klinische und wissenschaftliche Implikationen

Adolescents with Cancer – Administrative, Clinical and Scientific Implications
U. Göbel
,
U. Creutzig
,
T. Klingebiel
,
P. Kaatsch
,
T. Niehues
,
D. Körholz
Further Information

Publication History

Publication Date:
03 November 2011 (online)

Gesetzliche Vorgaben und administrative Änderungen

In den letzten 10 Jahren hat die Medizin in allen Bereichen gewaltige Fortschritte gemacht, was nicht ohne Rückwirkungen auf die Struktur und Arbeitsweise bleiben kann. Ausgehend von einer Initiative des Europarates [13] werden unter dem gemeinsamen Dach von Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) seit 2003 Nationale Versorgungs-Leitlinien (NVL-Programm) erstellt [4] [28]. Mittlerweile liegt für die Erstellung von Versorgungs-Leitlinien der 4. Methodenreport vor [31]. In diesem Heft werden beispielhaft ein Update der interdisziplinären S2-Therapieleitlinie der Juvenilen Idiopathischen Arthritis (2. Auflage) [S. 386-391 in dieser Ausgabe) und erstmals die Interdisziplinäre AWMF-Leitlinie zur Diagnostik von primären Immundefekten (S2k) [S. 378–385] wiedergegeben.

Die 12. Novelle des Arzneimittelgesetzes, die schrittweise Einführung des allgemeinverbindlichen Systems von Fallpauschalen zur Endtgeltung stationärer Behandlungen und die Einsetzung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) als das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen haben im zurückliegenden Jahrzehnt die deutsche Medizin besonders nachhaltig verändert. Aus der Sicht der pädiatrischen Onkologie und Hämatologie ist hierzu in der Klinischen Pädiatrie wiederholt berichtet worden [1] [6] [15].

Speziell als Maßnahme zur Verbesserung und Sicherung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität hat der G-BA mit Wirkung zum 01.01.2007 für die Versorgung von Patienten im Alter von 0 bis < 18 Jahren mit einer hämato-onkologischen Krankheit eine Vereinbarung beschlossen. Hierzu werden nicht nur die pädiatrischen Zentren für die hämatologisch-onkologische Versorgung aus fachlicher Sicht definiert, sondern gleichzeitig auch die strukturellen Mindestanforderungen deklariert [41].

Diese Gesetze und Vereinbarung haben sich auf die Zahl der hämato-onkologischen Behandlungszentren ausgewirkt, die Patienten an das Kinderkrebsregister in Mainz melden [10]. In den Jahren 1998–2000 waren dies etwa 100 Klinken, von denen ca. 50 Kliniken nur 1–9 Patienten gemeldet hatten [8]. In 2010 haben nur noch 65 pädiatrische Kliniken Meldungen an das Kinderkrebsregister in Mainz geschickt, und die Zahl der Kliniken mit <10 neu an Krebs erkrankten Kindern und Jugendlichen hat sich auf 12 verringert. Für diese Zentralisierung mögen unterschiedliche Faktoren eine Rolle gespielt haben, aber wahrscheinlich hat die Deklarierung von Mindestanforderungen an Struktur und Ausstattung der Kliniken dazu beigetragen.